In dem amerikanischen Dorfe selbst war nichts der Beobachtung Werthes zu sehen, ausgenommen eine Neuheit, die mich in der That belustigte; nämlich jedes Haus hatte sein eignes Model oder Ebenbild, ein kleines winziges Häuschen von Holz, — nicht größer und stärker als ein Puppenhäuschen[12], (a baby-house) vorn am Dache oder Giebel-Ende befestigt. Wie ich nachmals von einem Herrn auf dem Schiffe erfuhr, waren diese Puppenhäuschen, wie ich sie zu nennen beliebte, für die Schwalben zum Hineinnisten bestimmt[13].

Es war Mitternacht, als wir vor Kingston vorbeisegelten und so sah ich natürlicher Weise nichts von diesem »Schlüssel zu den Seen«[14], wie ich es habe nennen hören. Bei meinem Erwachen am nächsten Morgen glitt das Dampfschiff stattlich durch die Fluthen des Ontario, und ich empfand eine leichte Anwandlung von Unpäßlichkeit.

Wenn das Wasser des Sees in Aufruhr ist, wie dies bisweilen bei heftigem Winde geschieht, so glaubt man sich auf ein sturmgepeitschtes Meer versetzt.

Die Ufer des Ontario sind sehr schön, Hügel und Thäler, mit herrlichen Waldungen bekleidet oder durch Fleckchen angebauten Bodens und hübsche Wohnhäuser belebt, wechseln in sanften Wellen-Linien mit einander ab. Um zehn Uhr erreichten wir Cobourg.

Cobourg, wo wir uns gegenwärtig befinden, ist ein nett gebautes und blühendes Städtchen, das manche stattliche Vorraths-Häuser, Mühlen, eine Wechselbank und eine Druckerei enthält, letztere giebt ein Wochenblatt heraus. Desgleichen findet man hier eine recht hübsche Kirche und eine ausgewählte Gesellschaft, da viele achtbare Familien in oder unweit der Stadt ihre Wohnung gewählt haben.

Morgen verlassen wir Cobourg und werden unsern Weg nach Peterborough nehmen, von wo aus ich wieder zu schreiben gedenke, um sie von unserm zukünftigen Abentheuern zu benachrichtigen, die wir wahrscheinlich an einem der kleinen Seen des Otanabee erfahren werden.


Fußnoten:

[6] Es sind seitdem einige treffliche Kais vollendet worden.