Es hielt etwas schwer, eine Herberge für die Nacht zu finden, die Gasthöfe waren mit Reisenden gefüllt; hier erfuhren wir zum erstenmal etwas von jenem, dem Amerikaner, jedoch ohne Zweifel zu allgemein, zur Last gelegten tadelnswürdigen Benehmen. Unser Wirth schien im Betreff der Bequemlichkeit seiner Gäste vollkommen gleichgültig, sie mußten entweder sich selbst bedienen, oder ihre Bedürfnisse blieben unbefriedigt. Der Mangel an weiblicher Bedienung in diesen Anstalten ist für reisende Damen äußerst fühlbar und verdrießlich. Die Weiber lassen sich gar nicht sehen, oder behandeln die fremden Gäste mit einer Kälte und Gleichgültigkeit, daß man mit ihren Diensten eben nicht zufrieden sein kann.
Nachdem es mir, nicht ohne Schwierigkeit, geglückt war, der Wirthin des Gasthauses zu Cornwall ansichtig zu werden, bat ich sie, mir ein Zimmer anzuweisen, wo wir übernachten könnten, sie that dies, aber mit einer höchst ungefälligen Miene, indem sie auf eine Thür deutete, die sich in ein kleines Käfter öffnete, das ein Bett ohne Vorhänge, einen Stuhl aber keinen Waschtisch enthielt. Da sie meinen Verdruß bei Erblickung dieses ungastlichen Schlafgemachs wahrnahm, bemerkte sie ganz lakonisch, daß ich keine Wahl hätte, ich müßte es denn vorziehen, in einem Zimmer mit vier Betten zu schlafen, wovon bereits drei — und zwar von Männern, in Beschlag genommen waren. Diese Alternative lehnte ich etwas unwillig ab und zog mich in eben nicht besondrer Laune in das mir angewiesne Schlafgemach zurück, wo unwillkommne Bettbewohner die ganze Nacht hindurch uns hinderten, unsre müden Augenlider zu schließen.
Wir nahmen ein zeitiges und hastiges Frühstück ein und traten unsre Reise wieder an. Diesmal bestand die Reisegesellschaft aus meiner Wenigkeit, meinem Gatten, einer Dame nebst Gemahl, drei kleinen Kindern und einem einmonatlichen Säugling, die insgesammt, vom Aeltesten bis zum Jüngsten, am Keuchhusten litten; zwei großen cumberländischen Bergleuten und einem französischen Lootsen nebst seinem Begleiter; — letztrer war ein großes, amphibienartig aussehendes Ungeheuer, das in den Wagen sprang und sich in eine Ecke quetschte, indem es dem Postillion, der damit einverstanden war, und alle Gegenvorstellungen gegen dieses unerwartete Eindrängen unbeachtet ließ, auf eine comische Weise angreinte; der Postillion schwang seine Peitsche mit gewaltigem Knall, womit zwei reisende Amerikaner, die zu beiden Seiten der Gasthofthür standen, nicht eben zufrieden zu sein schienen; diese Herren hatten ihre Hüte weder in den Händen, noch zur Zeit auf dem Kopfe, sondern sie trugen dieselben an einem um einen Westenknopf geschlungenen Bande, so daß sie ziemlich unter den Arm hingen. Diese Mode habe ich seitdem öfter beobachtet und glaube, daß, wenn Johnny Gilpin die nämliche weise Vorsicht angewendet, er sowohl seinen Hut als seine Perücke gerettet haben würde.
Die Reise dieses Tages war für mich schrecklich ermüdend, ich wurde buchstäblich braun und blau gequetscht und gestoßen. Die ausnehmend große Hitze machte uns sehr viel zu schaffen, und wir hätten die Gesellschaft von zwei unsrer massiven Reisegefährten mit wahrem Vergnügen entbehrt.
Abends um fünf Uhr desselben Nachmittags erreichten wir Prescott, wo wir im Gasthause eine gute Aufnahme fanden; die weiblichen Dienstboten waren sämmtlich Engländerinnen und schienen in Aufmerksamkeit gegen uns mit einander zu wetteifern.
In der Stadt Prescott sahen wir wenig, was uns hätte interessiren oder gefallen können. Nach einem trefflichen Frühstück, schifften wir uns an Bord des Great Britain (Großbritanien) ein, es war das schönste Dampfboot, welches mir bis jetzt zu Gesicht gekommen, und hier gesellten sich unsre neuen Freunde zu uns, was uns große Freude machte.
Zu Brockville trafen wir gerade zu rechter Zeit ein, um ein Schiff von Stapel laufen zu sehn, — für mich ein ganz neuer Anblick. Es war ein äußerst lebhaftes erfreuliches Schauspiel. Die Sonne schien in vollem Glanze auf die herbeiströmende Menge, die sich in ihrem Sonntagsstaate nach dem Ufer drängte; die Kirchenglocken tönten lustig darein und vermischten ihr Geläute mit der Musik vom Deck des bunt bemalten Fahrzeugs, das mit seinen im Winde flatternden Wimpeln und ausgespannten Segeln und einer wohlgekleideten Gesellschaft an Bord, vom Stapel zu laufen im Begriff war.
Um die Wirkung noch zu erhöhen, wurde von einem einstweiligen, für diese Gelegenheit auf einem kleinen Felsen-Eiland vor der Stadt errichteten Castell eine Salve gegeben. Der Schoner (ein zweimastiges Fahrzeug) glitt stattlich ins Wasser und empfing so zu sagen mit Freuden die Umarmung des Elements, welches ihm zukünftig unterworfen sein sollte. Es war ein höchst interessanter Moment. Der neue stattliche Schwimmer wurde mit drei Hurrahs von der Schiffsgesellschaft des Great Britain, einer Salve vom kleinen Castell und dem fröhlichen Geläute der Glocken begrüßt; letztre ertönten zugleich zu Ehren einer hübschen Braut, die, auf einer Lustreise nach den Fällen des Niagara begriffen, mit ihrem Bräutigam an Bord kam.
Brockville liegt gerade an der Mündung des Sees der tausend Inseln und gewährt, vom Wasser aus gesehen, einen hübschen Anblick. Die Stadt hat, wie man mir erzählt, im Verlauf der letzten wenigen Jahre reißend schnell an Größe und Wohlstand zugenommen und scheint ein Platz von Wichtigkeit werden zu wollen.
Die Ufer des St. Laurence werden, indem man zwischen den tausend Inseln vorwärts steuert, felsiger und malerischer, und die Inseln selbst bieten jede Abwechselung von Waldung und Gestein dar. Das Dampfschiff landete zur Einnahme von Brennholz in der Nähe eines kleinen Dorfes auf der amerikanischen Seite des Flusses, wo wir auch fünfundzwanzig schöne Pferde, die in Cobourg und York zum Verkauf ausgeboten werden sollen, an Bord nahmen.