Ich ärgere mich ordentlich, daß man mir, wenn ich die Schönheit der canadischen Blumen bewundre, jedesmal wiederholt, sie seien geruchlos, und daher kaum der Beachtung werth; als wenn sich das Auge nicht an den schönen Formen und Farben weiden könnte, wenn nicht zugleich dem Geruchssinn geschmeichelt wird.

Um dieses Land von dem Vorwurf zu befreien, den ihm ein sehr gescheuter Mann machte, mit welchem ich einst in London zusammen traf, daß nämlich die hiesigen Blumen ohne Geruch, und die Vögel ohne Gesang seien, bemerke ich hier, daß mir bereits verschiedne äußerst wohlriechende Blumen und Kräuter zu Gesicht gekommen sind. Unter diesen darf ein schönes, strauchartiges Gewächs (milk-weed), mit purpurfarbnen Blüthen, die sich eben so sehr durch ihre Farben-Pracht als ihren reichen Geruch auszeichnen, nicht vergessen werden.

Ich gedenke nächstens ein Herbarium für Elisa zu sammeln und eine Beschreibung der Pflanzen, ihres Wachsthums und ihrer Eigenschaften beizufügen.

Alle merkwürdige Umstände hinsichtlich derselben werde ich sorgfältig aufzeichnen; und sagen Sie ihr, sie solle versichert sein, daß ich ihr von jeder vorkommenden Art bei günstiger Gelegenheit ein Exemplar, wo möglich mit den Samen, übersenden werde.

Meines Erachtens dürfte dieses Land den Forschungen des Botanikers ein weites und fruchtbares Feld eröffnen. Ich bedaure jetzt sehr meine Nichtbeachtung der häufigen Aufforderungen Elisa's, ein Studium zu verfolgen, welches ich einst für trocken hielt, jetzt aber höchst interessant finde und als eine fruchtbare Quelle geistigen Genusses besonders für diejenigen betrachte, welche im Busche (Urwälder) leben und demgemäß nothwendiger Weise von den Freuden und Vergnügungen, welche ein großer Kreis von Freunden, — und dem Wechselwelchen eine Stadt oder auch nur ein Dorf darbieten, ausgeschlossen sind.

Am Sonntage ging ich in die Kirche; — die erste Gelegenheit, dem öffentlichen Gottesdienst beizuwohnen, seitdem ich die schottischen Hochlande verlassen; und gewiß hatte ich Ursache, vor dem barmherzigen Gott, der mich wohlbehalten durch die Gefahren der großen Tiefe (des Meeres) und der verderblichen Krankheit geführt, demuthsvoll und dankbar meine Knie zu beugen. Noch nie erschien mir unsre schöne Liturgie so rührend und eindrucksvoll als an diesem Tage — in unsrer schlichten, aus rohen Baumstämmen mitten in der Wildniß erbauten Kirche.

Dieses einfache Gebäude liegt am Fuße eines sanften Abhanges auf der Ebne, umgeben von Eichen- und Fichten-Gruppen die, obgleich nicht so groß und stattlich wie die gewaltigen Eichen und Kiefern des Forstes, mit ihren in mannigfaltige und seltsame Formen vertheilten Aesten dem Auge doch weit angenehmer sind. Der Rasen ist hier von smaragdnem Grün; mit einem Wort, es ist ein anmuthiges Plätzchen, entfernt von dem geräuschvollen Treiben der Stadt, ein geeigneter Ort, Gott in Geist und Wahrheit zu verehren!

Nach den Smith-town-Hügeln hin und längs den Ufern, welche den Fluß überragen, giebt es manche herrliche Spaziergänge. Der Gipfel der Hügel ist unfruchtbar und dicht mit lockern, rothen und grauen Granitblöcken, und zwischen diesen, mit großen — in jeder Richtung ausgestreuten Kalkstein-Massen bedeckt; letztere sind meistentheils durch die Einwirkung des Wassers glatt und zugerundet. Da sie losgetrennte Stücke sind und blos die Oberfläche des Bodens einnehmen, so konnte ich mir nicht recht erklären, wie sie in diese Höhe gekommen. Ein Geolog würde ohne Zweifel dieses Räthsel in wenigen Minuten lösen. Die Eichen, welche auf dem hohen Ufer wachsen, sind eher größer und üppiger, als die in den Thälern und auf andern fruchtbaren Boden-Stellen.

Hinter der Stadt, in der Richtung der Cavan- und Emilien- (Emily) Straße, breitet sich ein weiter Raum aus, den ich Squatter's ground nenne, weil er ganz mit Shanties bedeckt ist, worin die armen Auswandrer, ausgelößte Pensionairs[26] und dergleichen Leute sich mit ihren Familien niedergelassen haben. Einige bleiben hier, um, wie sie vorgeben, ein einstweiliges Obdach für ihre Weiber und Kinder zu haben, bis sie mit Errichtung eines Hauses auf dem ihnen bewilligten Grund und Boden zu deren Aufnahme zu Stande gekommen; aber nicht selten geschieht es, daß sie aus Trägheit oder wirklichem Unvermögen, das ihnen oft meilenweit von hier in den Urwäldern und in noch ganz unbebauten Ortschaften oder Stadtbezirken[27] zugetheilte Land zu bearbeiten, verkümmern, indem sich ihnen zu große Schwierigkeiten und Hindernisse entgenstellten, deren Besiegung mehr Energie und Muth erfordert, als viele derselben besitzen. Andre, zu Müßiggang und Ausschweifungen geneigt, vergeuden das empfangene Geld und verkaufen das Land, wofür sie ihre Pensionen aufgaben, und müssen dann nothwendiger Weise in Armuth und Elend auf dem Shanty-Grunde hocken bleiben.