[28] Die Bemerkung eines kleinen irischen Knabens, den wir als Holzspeller und Wasserträger mietheten, und der ein Bewohner einer dieser Shanties gewesen, belustigte mich nicht wenig. »Ma' am,« sagte derselbe, »als das Wetter beißend kalt war, konnten wir uns kaum warm erhalten; denn während wir, mit dem Gesicht vor dem Feuer, auf der einen Seite fast brateten, froren wir am Rücken, daher wendeten wir von Zeit bald die eine bald die andre Seite dem Feuer zu, gerade so, wie wenn man eine Gans am Spieße bratet. Die Mutter verwendete die Hälfte von dem Gelde, welches der Vater durch seine Stroharbeit (er war ein Strohsesselmacher) verdiente, in Branntwein, um uns auszuwärmen; allein ich glaube, ein reichliches Gericht gute heiße Kartoffeln, würde uns mehr gewärmt haben, als der Branntwein dies vermochte.«
[29] Das Vieh wird im Herbst und Winter größtentheils durch die zarten Zweigsprossen von Ahorn, Birken u. s. w. erhalten, die man auf den frisch gelichteten, brachliegenden Aeckern findet. Man sollte ihnen aber auch Stroh und andres Futter geben, weil sie anders bei sehr strenger Witterung sterben.
Siebenter Brief.
Abreise von Peterborough. — Canadische Wälder. — Wagen und Gespann. — Ankunft bei einem Log-Hause an den Ufern des Sees. — Niederlassung und erste Beschäftigungen.
October 25, 1832.
Ich beginne meinen Brief mit einer Schilderung unsrer Reise durch den Busch (die Wälder) und so fort, und füge dann unser Thun und Treiben in und außer dem Hause hinzu. Ich weiß, daß die kleinen, das Hauswesen betreffenden Umstände für Sie nicht uninteressant sein werden; und gewiß kann das Auge einer Mutter niemals ermüden, schriftliche Mittheilungen von der Hand eines abwesenden und geliebten Kindes zu lesen.
Nach einigen Schwierigkeiten glückte es uns, einen Wagen nebst Gespann, das ist ein paar starke Pferde, zu miethen, die uns und unser Gepäcke durch die Wälder an die Ufer eines von den Seen führten, wo S— unser wartete. Eine freie Straße war nicht vorhanden sondern blos ein angedeuteter, mit umgestürzten Bäumen bedeckter und durch einen großen Moor unterbrochner Pfad auf der einen Seite; in den Moor kann man knietief einsinken, indeß brauchten wir die Vorsicht, unsern Weg längs den Stämmen der bemoosten und verwitternden Bäume zu nehmen, oder auf einem willkommnen Granit- oder Kalkstein-Block zu fußen. Was in der Busch-Sprache Blaze (angedeuteter Pfad) heißt, ist nichts weiter als die durch Kerben und Rinden-Abschälung an den Bäumen vorgezeichnete Straßen-Linie. Die Grenzen der verschiednen Parcellen sind oft durch einen gekerbten Baum angedeutet, das Nämliche gilt von den Concessions-Linien[30], allein dergleichen Zeichen sind nicht viel besser als Wegweiser in einer dunkeln Nacht.
Die Straße, welche wir einschlagen mußten, führte über die Ebnen von Peterborough, in der Richtung des Flusses, der mich durch seine Scenerei ungemein ergötzte, wiewohl diese keineswegs von Fruchtbarkeit zeigt, mit Ausnahme von zwei oder drei umfangsreichen gelichteten Stellen.
Ungefähr drei englische Meilen über Peterborough windet sich die Straße auf der Höhe einer steilen Firste hin, deren unterer Theil ganz das Ansehn hat, früher das Bett eines Seitenzweiges des gewaltigen Flusses, oder vielleicht eines kleinen Sees, der seinen Kanal verlassen und sich mit dem Otanabee vereinigt hat, gewesen zu sein.