Auf beiden Seiten dieser Firste ist ein steiler Abhang; zur Rechten sieht man den Otanabee, der mit großer Gewalt durch sein felsiges Bett strömt und im Kleinen denen des Laurence ähnliche Stromschnellen bildet, seine dunkeln Fichten-Wälder verleihen der Scenerei eine höchst eindrucksvolle Erhabenheit. Zur Linken liegt unten ein anmuthiges einsammes, mit Epheu, Cedern, Schierlingstannen und Fichten bedecktes Thal. Durch dieses Thal führt ein Weg zu einer hübschen Meierei, deren grüne Triften durch das Nichtvorhandensein der abscheulichen Baumstummel, welche die gelichteten Orte in diesem Theil der Gegend entstellen, noch angenehmer sind; ein hübscher klarer Bach fließt durch die niedrige, am Fuße des Berges liegende Wiese, zu welcher herab ein steiler Pfad dicht neben einer Korn-Mühle führt, die durch das Wasser des Bachs getrieben wird, gerade an der Stelle, wo er mit den Flußschnellen zusammen trifft.
Ich nannte diesen Platz »Glen Morrison,« theils zur Erinnerung an die liebliche Thalschlucht Morrison in den (schottischen) Hochlanden, theils weil der Ansiedler, dem er gehört, so heißt.
Unsre Fortschritte waren nur langsam, wegen der Unebenheit der Straße, die mit unzähligen Hindernissen in Gestalt loser Granit- und Kalkstein-Blöcke, die auf den Ufern des Flusses und der Seen in Ueberfluß ausgestreut sind, bedeckt ist; nicht zu erwähnen der umgestürzten Bäume, vorspringenden dicken Wurzeln, Lachen und Knittel-Brücken, über die der Fahrende, hop, hop, hop wegrumpelt, bis ihm jedes Glied schmerzt, gleichsam als wäre es ausgerenkt. Ein erfahrner Busch-Reisender vermeidet manchen harten Stoß, indem er sich bald erhebt, bald gegen die Seiten seines rohen Fuhrwerks drückt.
Da der Tag vorzüglich schön war, stieg ich oft aus dem Wagen und ging mit meinem Gatten eine englische Meile und darüber zu Fuße.
Bald verloren wir den Fluß gänzlich aus dem Gesicht und gelangten in die tiefe Einsamkeit des Waldes, wo nicht ein Laut die fast grauenvolle, rings um uns herrschende Stille unterbrach. Kaum ein Blatt oder Ast regte sich, nur dann und wann vernahm unser Ohr das Rauschen des Windes, der die hohen Häupter der Kiefern und Tannen in Bewegung setzte und eine rauhe und traurige Cadence erweckte;
dies und das Hämmern des rothköpfigen und grauen Baumhackers gegen dieStämme der verwitternden Bäume, oder das gellende pfeifende Geschrei des kleinen gestreiften Eichhörnchens, von den Eingebornen Tschitmunk genannt, waren die einzigen Laute, welche in das Schweigen der Wildniß hineintönten. Nicht minder befremdete mich die Abwesenheit animalischen Lebens. Mit Ausnahme des vorerwähnten Tschitmunk kreuzte während unsrer langen Tage-Reise in den Wäldern kein lebendiges Wesen unsern Pfad.
In diesen ungeheuern Einöden, sollte man natürlicher Weise meinen, müsse die Abwesenheit des Menschen einen Ueberfluß an wilden Thieren erzeugen, insofern diese frei und unbelästigt daselbst hausen, allein gerade das Gegentheil findet hier statt. Beinahe alle hiesige wilde Thiere trifft man häufiger in den gelichteten Distrikten als in den Wäldern. Die Betriebsamkeit des Menschen erleichtert ihre Existenz, sie können ihre Bedürfnisse in seiner Nähe besser befriedigen als in ihren dürftigen Wäldern.