Man hört beständig von Verheerungen, welche Wölfe, Bäre, Waschbäre, Luchse und Füchse in den seit langer Zeit angebauten Theilen der Provinz angerichtet haben. In den Urwäldern ist die Erscheinung eines wilden Thieres ein weit seltnerer Umstand.
Hinsichtlich der Waldbäume fand ich meine Erwartungen getäuscht, ich hatte geglaubt, große bemooste Riesen anzutreffen, fast von gleichem Alter mit dem Lande selbst und in majestätischem Wuchs den Bäumen meiner heimathlichen Inseln fast eben so sehr überlegen, als die ungeheuren Seen und gewaltigen Flüsse Canadas den Teichen und Flüssen Britaniens überlegen sind.
Es mangelt hier den Wäldern an malerischer Schönheit. Blos die noch jungen Bäumchen haben einige Ansprüche auf zierliche Formen; indeß muß ich die Schierlingstanne ausnehmen, deren Wuchs äußerst schön und schlank ist, und die durch ihr liebliches muntres Grün das Auge erfreut. Selbst wenn der Winter den Wald seines Laubes entkleidet, bleibt sie ein schöner grünender Baum. Die jungen Buchen nehmen sich ebenfalls recht hübsch aus; allein man vermißt jene schattigen Laub-Gewölbe, die in unsern heimathlichen Parken und Wäldern so entzückend und romantisch sind.
Die canadischen Wälder entbehren jenes Ansehn ehrwürdigen Alterthums. Hier giebt es keine weitspreizigen Eichen, welche man die Patriarchen des Waldes nennen könnte. Ein frühzeitiges Absterben scheint ihr Loos zu sein. Sie werden vom Sturme entwurzelt und sinken in ihrer ersten Reife zu Boden, um einer neuen Generation zu weichen, welche bestimmt ist, ihre Stelle auszufüllen.
Die Tannen und Fichten sind unstreitig die schönsten Bäume. Was Größe anlangt, werden sie von keinem übertroffen. Sie thürmen sich über alle andere Bäume empor, eine dunkle Linie bildend, die man in meilenweiter Entfernung unterscheiden kann. Aber gerade ihre Höhe ist schuld daran, daß sie vor ihren Brüdern dem Ungestüm der Winde nachgeben, da ihre Gipfel der vollen und ungebrochnen Gewalt des Luftstroms ausgesetzt sind; daher kommt es, daß der Boden stets mit den verwitternden Stämmen riesenhafter Tannen und Fichten bestreut ist. Desgleichen scheinen sie der innern Verderbniß und der Verheerung durch Blitzstrahl und Feuer mehr ausgesetzt zu sein als andre Bäume.
Wie viel ich auch von der schlechten Beschaffenheit der Straßen Canadas gelesen und gehört hatte, so war ich doch auf keine solche vorbereitet, wie wir an diesem Tage bereisten; für wahr, sie verdient kaum den Namen einer Straße, sie ist nichts weiter als ein durch den Wald gelichteter Pfad. Die Bäume sind umgehauen und auf die Seite gelegt, um einen Wagen passiren zu lassen.
Die Moräste und kleinen Waldbäche, welche gelegentlich den Weg unterbrechen, sind durch dicht neben einander gelegte Baumstämme passirbar gemacht; das furchige und streifige Ansehen dieser Brücken hat ihnen, nicht unpassend den Namen Corduroy (geripptes Zeug) verschafft.
Ueber diese abscheulichen Corduroys (Knüttelbrücken) rumpelt der Wagen, von Scheit zu Scheit springend, mit Stößen, wozu man gute Miene machen muß. Können Sie dergleichen Hoppas und Erschütterungen ohne ein saures Gesicht ertragen, so übertrifft Ihre Geduld und philosophische Gleichmuth die meinige bei weitem; bisweilen lachte ich, weil ich nicht weinen mochte.
Denken Sie sich Ihre Tochter auf Säcken, Koffern und allerlei Packeten sitzend, und dies in einem Wagen, der nicht viel besser war als ein grob aus Tannenholz gezimmerter, auf Räder gesetzter Kasten; die Seiten davon waren blos mit Pflöcken befestigt, so daß ich mich in eben keiner behaglichen Lage befand, da die nur erwähnten Seitentheile beständig heraus sprangen. Gerade inmitten einer tiefen Koth-Lache brach das vordere Schutzbret ab, und mit ihm zugleich purzelte unser Wagenlenker, in Folge des erhaltnen Stoßes, in den Koth, der arme Teufel, wußte gar nicht, wie ihm geschehn, als er sich plötzlich in einen Morast versetzt sah. Was mich anlangt, so blieb ich, weil ich nichts dabei thun konnte, ruhig auf meinem Sitze und erwartete geduldig die Wiederkehr der Ordnung. Diese war bald hergestellt, und alles ging eine Weile wieder gut, bis wir gegen einen gewaltigen Fichten-Stamm anfuhren, welcher dem schlecht gezimmerten Wagen einen solchen Stoß versetzte, daß eins von den Bretern, die den Fußboden bildeten, und mit diesen ein Sack Mehl und ein andrer mit eingesalznem Schweinfleisch, beide auf ihrer Wanderung nach dem Hause eines Ansiedlers begriffen, an dessen Niederlassung unser Weg vorbei führte, herabtanzten. Ein guter Wagenlenker läßt sich indeß selten durch dergleichen Kleinigkeiten entmuthigen.