[38] Die Einfuhr-Zölle von Gütern in den beiden Canadas sind äußerst gering, woraus sich der Umstand erklärt, daß man daselbst manche Verbrauchs-Artikel an Orten, wo sich ihrem Transport keine erheblichen Schwierigkeiten von Seiten der Straßen entgegenstellen, weit billiger kaufen kann als in England; in den Urwäldern, wo man kaum angefangen hat, Straßen anzulegen, ist wegen des theuren Transports der größern Mäklerzahl, des größern Capital-Werthes und des damit in Verhältniß stehenden höhern Local-Profites, u. s. w. alles weit theurer ist; was sich jedoch mit der fortschreitenden Cultur des Bodens ändern wird.
[39] Die hauptsächlichsten Krankheiten, wovon die Getreide-Pflanzen heimgesucht werden, sind Mehlthau, Brand (Schimmel), und Ruß. Die Untersuchung und Behandlung dieser Krankheit ist für Schriftsteller über Landwirthschaft ein ergiebiges Feld gewesen. Indeß scheint das Publikum von ihren subtilen Forschungen noch keinen erheblichen Nutzen geerntet zu haben, und ein Autor von vorzüglichem Ansehn und Gewicht behauptet sogar, daß im Verhältniß zu der über den fraglichen Gegenstand verschwendeten Wortmenge die Schwierigkeiten in Betreff seiner Aufklärung sich vermehrt hätten.
Brand ist eine Krankheit, welcher bekanntlich die Cerealien seit den frühesten Zeiten unterworfen gewesen sind. Bei den alten Griechen galt derselbe als ein Zeichen des Zorns der Götter, und so oft er vorkam, überließen sie sich der Klage und Trauer, ohne auf ein Mittel zur Abhülfe bedacht zu sein. Derselbe Aberglaube herrschte unter den Römern, die der Meinung waren, daß das Uebel, welches sie rubigo (Rost) nannten, unter der Controlle einer besondern Gottheit, Namens Rubigus, stehe, daher sie diesem zu Gunsten ihrer Saaten fortwährend opferten.
Brand und Mehlthau sind von verschiednen Schriftstellern über Landwirthschaft häufig mit einander verwechselt worden, so daß es zweifelhaft ist, welcher Klasse von Erscheinungen jeder von beiden Namen eigentlich zukommt, oder ob beide überhaupt nicht für eine und dieselbe zu verschiednen Perioden des Wachsthums der Pflanze vorkommende Krankheit anwendbar sind. Da wir nicht gern auf streitigen Boden treten mögen, was nothwendiger Weise der Fall sein würde, wenn wir uns in Erörterung eines, trotz allen darüber geschriebnen mühevollen Abhandlungen, verworrenen und dunkeln Gegenstandes einlassen wollten, so werden wir hier die Formen, welche die Krankheit annehmen, nebst ihren übeln Folgen kurz und deutlich beschreiben, deren Klassifikation aber andern geschickteren Federn überlassen.
Die Ursachen sind, wie die kundigsten Männer behaupten, dreierlei, nämlich: Kälte und besonders kalte Winde, böse Dünste und die Verbreitung eines Schimmelpilzes. Die erstere der erwähnten Ursachen hindert den Umlauf der Säfte in der Pflanze; die der Nahrung beraubten Blätter welken und sterben ab, die Säfte treiben die Gefäße auf, worin sie sich befinden, zersprengen sie und werden die Nahrung von Millionen kleiner Insekten. Diese finden sich so unbegreiflich schnell ein, daß man sie mehr für die Ursache, als die Folge der Krankheit angesehen hat. Die zweite Ursache wirkt vorzüglich, wenn das Getraide bereits völlig ausgewachsen ist, und man hat beobachtet, daß sie sich besonders nach schweren Regengüssen des Nachmittags zeigte, auf welche sogleich heller Sonnenschein folgte. Dies ist der Fall gewöhnlich um die Mitte oder zu Ende Julis. Die Krankheit befällt entweder die Blätter oder den Stengel der Pflanze, die mit gebrochenen Linien von schwarzer oder dunkelbrauner Farbe bedeckt zu sein scheint. Viele Naturforscher schreiben sie allein einer Art Schimmelpilz zu, die in dem Pflanzenstengel wurzele und die den Getraidekörnern bestimmte Nahrung entziehe. Die kleinen Samen dieses parasitischen Gewächses, das die Krankheit des Getraides verursacht, sind so leicht, daß sie vom Winde in große Entfernung getragen werden. Diese Schimmelpilze wachsen überdies außerordentlich schnell, indem sie nach den genauen Beobachtungen des Engländers Joseph Banks in warmem Wetter nicht mehr als eine Woche brauchen, um einzuwurzeln und bereits wieder Samen zu treiben. Auf jedem Punkte des Halmes, wo sie sich einnisten, wachsen zwanzig bis vierundzwanzig solcher Pilze, und man kann sich daraus eine Vorstellung machen, wie groß die Vermehrung sein mag. Wie alle andre Pilze und Schwämme, gedeiht auch diese verderbliche Art am besten an schattigen, feuchten Orten, und deshalb ist eins der besten Mittel, das Getraide vor ihr zu bewahren, dasselbe nicht zu dicht zu säen, desgleichen muß man für hinreichenden Luftzug sorgen und daher die Hecken und Einfriedigungen niedrig halten.
Mr. Loudon berichtet, daß im Sommer 1809 ein Weizenfeld auf mehr leichtem und sandigem Boden mit allem Anschein von Gedeihen empor und auch in die Aehre kam und alle Aussicht zu einer guten Ernte gab. Ungefähr zu Anfange Julis schien es alles zu übertreffen, was man von einem dergleichen Boden erwarten konnte. Eine Woche später war ein Theil der Saat auf der Ostseite des Feldes, im Betrag von mehren Morgen, völlig verdorben, die Pflanzen waren über die Hälfte ihrer früheren Größe eingeschrumpft und so welk und versengt, daß sie nicht zu demselben Felde zu gehören schienen. Der übrige Theil der Saat gedieh vollkommen gut. Man hat oft behauptet und lange Zeit auch geglaubt, daß die Nähe von Berberisbeersträuchern der Saat nachtheilig sei, indem sie schädliche Pilze anziehen, allein jetzt gilt dies allgemein für ein Mährchen.
Der Same von Pflanzen, die an Mehlthau litten, eignet sich der Erfahrung gemäß zur Aussaat vollkommen, und da er kleiner als gesundes Korn ist, so bedarf es zu diesem Behuf eines kleineren Maaßes.
Eine andre böse Krankheit, welche das Getraide befällt, ist unter dem bezeichnenden Namen »Ruß« bekannt, dieses Uebel besteht in Verwandlung des Mehls in ein rußiges Pulver, das mehr oder weniger schwarz und dem Geruch zuwider ist. Einige Schriftsteller unterscheiden zwei Modificationen der fraglichen Krankheit und nennen die eine Ruß, die andre Getraide-Brand (Brand, verbranntes Getraide). Mills hat in seinem System der praktischen Landwirthschaft folgenden Unterschied zwischen beiden aufgestellt. »Ruß, eigentlich so genannt, bewirkt einen völligen Verlust der davon befallenen (inficirten) Aehren, da aber das schwarze Pulver, welches er erzeugt, sehr fein ist, und die Körner desselben nicht zusammenhalten, so werden sie von Wind und Regen leicht fortgeführt, so daß der Landmann nicht viel mehr als das blose Stroh unter Dach und Fach bringt, welches aber die gesunden Körner nicht ansteckt und kaum ihr Mehl beschädigt. Das brandige oder cariöse Getraide dagegen, das oft zugleich mit dem gesunden Korn eingefahren und aufgespeichert wird, theilt letzterem seine Krankheit mit, macht sein Mehl braun und giebt ihm einen schlechten Geruch.« Der Name, mit welchem diese Krankheit von den Römern bezeichnet wurde, ist ustilago; die französischen Landleute nennen sie charbon (Kohle).
Wenn man einen Theil des schwarzen Pulvers mit Wasser anfeuchtet und dann unter das Mikroscop bringt, so sieht man, daß es Myriaden kleiner durchsichtiger und augenscheinlich von einem dünnen Häutchen umgebner Kügelchen sind. Die Ursache des Uebels suchen einige Forscher in dem Boden, in welchen das Korn gesäet worden ist; andere schreiben es dem Wuchern eines kleinen Pilzes innerhalb der Aehre zu; noch andre endlich behaupten, es beruhe auf einem krankhaften Zustande des Samens, aus welchem die Pflanze hervorgegangen ist. Das Ergebniß verschiedner Versuche, wo man verschiedne Samen in denselben Boden säete, und allen dieselbe Behandlung angedeihen ließ, scheinen der letzten Hypothese das Wort zu reden.