Das indianische Korn ist eine zarte und etwas unsichre Saat; jung leidet es häufig durch Frost, daher man es nie vor dem 20. Mai oder zu Anfange Junis säet, und selbst dann ist es noch nicht ganz sicher, auch hat es manche Feinde, als Bäre, Waschbäre, Eichhörnchen, Mäuse und Vögel und ist eine große Lockung für umherschweifendes Vieh, das, um dazu zu gelangen, selbst Einfriedigungen von hölzernen Pfählen, spanische Reiter und andre dergleichen Dinge, die man zum Schutz der Saat aufgestellt hat, umstürzt.

Selbst in Canada bedarf diese Getraide-Art einen heißen Sommer, um zur vollkommnen Reife zu gelangen. Daher glaube ich, daß Cobbett unrecht hatte, als er den englischen Landmann zum Anbau im Vaterlande das indianische Korn als eine sehr einträgliche Getraide-Frucht empfahl. Sehr einträglich und mehlreich ist es bei uns jeden Falls, indem es für alle Arten körnerfressender Thiere eine sehr reiche und angenehme Nahrung abgiebt, und zwar selbst so lange es noch grün ist, und in reifem oder halbreifem Zustande zur Mästung der Hausthiere und Fütterung der Last-Ochsen sich trefflich eignet.

Der letzte Sommer war sehr günstig, die Saat gedieh auf das Ueppigste, leider aber hatten nur wenige Ansiedler, in Folge des Mißrathens in den beiden vorhergehenden Jahren, diese Getraide-Art angebaut. Unser kleines Fleckchen lieferte eine reiche Ernte. Das Mehl giebt einen nahrhaften Brei, von den Amerikanern »Supporne« genannt, er wird mit Wasser bereitet, und mit Milch genossen, oder auch mit Milch vermischt. Er muß lange kochen. Brod wird nur selten oder niemals ohne einen reichlichen Zusatz von feinem Weizen- und Brod-Mehl daraus gebacken.

Was die Cultur andrer Getraide-Sorten anlangt, so kann ich Ihnen darüber nichts mittheilen, was Sie nicht in jedem Werke über Auswanderung finden. Die Kartoffel wird nicht in Löcher gesteckt, sondern in kleine Erdhügel, die man darüber häufelt, die Kartoffelfelder müssen durchschaufelt und von Unkraut gereinigt werden.

Was den gewöhnlichen Betrag der Arbeitslöhne anlangt, so richtet sich derselbe ebenfalls nach der größeren oder geringeren Bevölkerung des Ortes, wo man sich angesiedelt hat; im Allgemeinen indeß erhält ein thätiger kräftiger Mann acht bis eilf Dollars monatlich; zehn Dollars also könnte man als Durchschnitts-Summe annehmen, junge Bursche (Handlanger) erhalten vier bis sechs, und weibliche Dienstboten drei bis vier Dollars. Man kann auch junge Mädchen von neun bis zwölf Jahren blos für Kleidung und Kost in Dienste nehmen, allein dies ist keineswegs ein Ersparniß, da Kleider und Schuhe sehr bald zerrissen sind und durch neue ersetzt werden müssen. Ein starkes Mädchen vermiethet sich für zwei bis drittehalb Dollars monatlich und arbeitet, wird es verlangt, auch auf dem Felde, wo sie Korn und Kartoffeln behäufelt und jätet, in der Ernte die Garben binden hilft u. s. w. Ich habe ein sehr gutes Mädchen, die Tochter eines Emigranten von Wiltshire; sie ist sauber und verständig, höflich und fleißig, und erhält dabei nur drei Dollars monatlich; sie gehört zu den glücklichen Beispielen aus der niedern Klasse englischer Auswandrer, und ihre Familie kann für den Bezirk, worin sie lebt, als ein wahrer Gewinn betrachtet werden.

Ich glaube jetzt alle Ihre Fragen nach meiner besten Ueberzeugung beantwortet zu haben. Allein ich erinnere dabei, daß meine Erfahrung sich blos auf einen kleinen Theil der Gemeinde-Bezirke längs den Otanabee-Seen beschränkt, mithin darf mein Bericht hinsichtlich seiner Gültigkeit blos als örtlich gelten. Die Sachen können sich in andern Distrikten der Provinz anders verhalten, wenn sie auch vielleicht nicht wesentlich verschieden sind.

Ich muß Ihnen jetzt Lebewohl sagen. Sollten Sie sich jemals veranlaßt fühlen, Ihr Glück diesseits des atlandischen Oceans zu versuchen, so versichere ich Sie im Voraus des herzlichsten Empfanges in unserm canadischen Hause.

Ihre Ihnen aufrichtig ergebne Freundin.


Fußnoten: