Sie lassen zu Zeiten einen eigenthümlichen kläglich tönenden Lockruf vernehmen, der genau dem plötzlichen Erklingen einer Harfen-Saite gleicht und eine oder zwei Secunden lang an das Ohr schlägt. Wahrscheinlich machen sie davon Gebrauch, ihre zerstreuten Kameraden herbei zu rufen, da ich ihn nie vernommen habe, wenn sie alle beisammen waren. Bisweilen saßen einige unweit unsrer Wohnung auf einem Baume am Rande des Sees und ließen mich ihren Lockruf vernehmen; ich habe sie Harfner (harpers) getauft. Ich werde Sie wohl mit meinen ornithologischen Skitzen ermüden, indeß muß ich noch zwei oder drei Vögel anführen.
Der weißköpfige Adler[47] fliegt oft über unsre Ansiedlung, er hat dunkles Gefieder, der Leib und Kopf ist schneeweiß. Den Hühnerhöfen fügt er bisweilen Schaden zu; diejenigen, welche uns zu Gesicht kamen, verschmähten indeß dergleichen geringes Wildbret und schwebten in majestätischem Fluge über den See weg.
Der Fisch-Falke streift gelegentlich über die vor unsern Blicken ausgebreitete Wasserfläche; Leute, welche dem weiter oben geschilderten Fischfang mit dem Speer nachhängen, betrachten ihn als einen Feind.
Außerdem haben wir die Nacht- oder Musquito-Eule, welche auf die in den hohen Regionen schwärmenden Insekten Jagd macht, während sie näher an der Erde von ganzen Schaaren großer Stechfliegen verfolgt wird; trotz ihrem Beistande setzt uns doch das abscheuliche Ungeziefer, ich meine die Musquitos und schwarzen Fliegen, unbarmherzig zu.
Der rothköpfige Specht[48] zeichnet sich durch sein prächtiges Gefieder aus, Kopf und Hals sind reich carmesinfarben; Rücken, Flügel und Brust theilen sich in Schneeweiß und Pechschwarz. Das unaufhörliche Hämmern der Baumhacker und das gellende unharmonische Geschrei des blauen Hehers[49] ertönen, sobald völliger Frühling eingetreten ist, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.
Ich fand in letztem Frühjahr eine kleine Baumhacker-Familie recht behaglich in einer alten Fichte eingenistet, und zwar zwischen der Rinde und dem Stamme, wo erstere sich losgetrennt und einen hohlen Raum gelassen hatte, in welchem die alten Vögel ein weiches aber loses und keine große Sorgfalt verrathendes Nest gebaut hatten; die niedlichen Geschöpfe schienen recht glücklich, sie steckten gelegentlich ihre possirlichen kahlen Köpfchen hervor, um die Aeltern zu begrüßen, welche die alten Bäume in der Nachbarschaft entrindeten und Futter für ihre kleine Familie sammelten, sie betrieben ihr Werk mit demselben Eifer, wie eben so viele fleißige Zimmerleute.
Ein höchst seltsames Nest erhielt ich von einem unsrer Holzfäller; es war über eine Zweig-Gabel gebaut und schien gleichsam mit grauem Zwirn oder dünnem Bindfaden an den Ast genäht zu sein. Es war blos auf den beiden Seiten, welche den Winkel bildeten, gesichert, aber so gut befestigt, daß es jedem mäßigen Gewicht oder Druck Widerstand geleistet haben dürfte; es bestand aus den Fasern der Bastbaum-Rinde, die sehr fadig ist und sich sehr dünn ausziehen läßt; mit einem Wort, es war ein seltsames Beispiel von dem Mutterwitz der kleinen Baukünstler. Ich konnte letztere nicht entdecken, allein wahrscheinlich mochte es ein Werk meines kleinen Lieblings, der oben erwähnten, bei uns überwinternden Meise (tit-mouse) sein.
Die nächste Abbildung stellt den Baltimore Feuervogel dar, der sein Nest gegen die Angriffe der schwarzen Schlange vertheidigt[50].