den Ebnen oder im Walde schaukeln; und oft bin ich auf meinem Wege stehen geblieben, um ihren muntern Scherzen zuzuschauen und ihrem fröhlichen Gezwitscher zu lauschen. Ich bin nicht ganz gewiß, glaube aber, daß dies der nämliche kleine Vogel ist, welchen die Eingebornen Thit-a-be-bee nennen; sein Gesang, obwohl schwach, und ziemlich einförmig, ist nicht unangenehm; und wir schätzen ihn um so mehr, da er fast der einzige Vogel ist, der während des Winters singt.
Ich hatte viel von der Schnee-Ammer gehört, aber niemals eine gesehen, außer vor Kurzem, und dann nicht nahe genug, um ihre Form und Farbe genau zu unterscheiden. Es war ein ungewöhnlich heitrer Tag, der Himmel wolkenlos, und die Luft fast warm, als mich bei einem Blick nach den See die Erscheinung einer Fichte hart am Ufer überraschte; der Baum schien gleichsam mit silbernen Sternen bedeckt, die gegen den blauen Himmel glänzten. Dieses mir neue Schauspiel erfüllte mich mit so großer Freude, daß ich hinaus lief, um die Sache näher ins Auge zu fassen; aber wer schildert mein Erstaunen! als meine Sterne sämtlich nach einem andern Baume flogen, wo sie durch das beständige Flattern und Wedeln ihrer kleinen weißen Fittige gegen das Sonnenlicht jene schöne Wirkung hervorbrachten, die zuerst meine Aufmerksamkeit erregt hatte; bald waren sämmtliche Fichten von diesen lieblichen Geschöpfen gleichsam erleuchtet. Gegen Mittag zogen sie wieder fort und ich habe sie seitdem nur ein einziges Mal gesehn. Sie setzen sich nie auf die Erde oder einen niedrigen Baum oder Ast, daher ich sie nicht näher beobachten konnte.
Von unsern Singvögeln sind das Rothkehlchen, die Amsel und ein kleines niedliches Vögelchen, das unserm gemeinen Zaunkönig gleicht, diejenigen, womit ich am bekanntesten bin. Das canadische Rothkehlchen ist um Vieles größer als unser heimathliches Rothkehlchen, es ist ein zu grober und großer Vogel, um unserm kleinen Liebling, »dem Hausvogel mit dem rothen Brustlatz,« wie ihn Bischof Carey in einem an Elisabeth, Tochter Jakob's I., bei ihrer Hochzeit mit dem unglücklichen Pfalzgrafen Friedrich, gerichteten Sonnet nennt, zu gleichen.
Der Gesang des canadischen Rothkehlchens ist keineswegs zu verachten; seine Töne sind klar, angenehm und mannigfaltig; er besitzt denselben muntern lebhaften Charakter, wodurch sich der seines Namensverwandten auszeichnet; aber in ihren allgemeinen Gewohnheiten weichen beide Vögel sehr von einander ab. Das canadische Rothkehlchen zeigt sich weniger zutraulich gegen den Menschen, dagegen ist es mit seines Gleichen befreundeter; die Thierchen versammeln sich bald nach der Brüte-Zeit in ganzen Heerden und scheinen sehr gesellig und vertraulich unter einander; aber sie nähern sich selten oder niemals unsern Wohnungen. Die Brust des Vogels ist hellroth, der Kopf schwarz; der Rücken, so zu sagen, stahlblau oder schieferfarben; in Größe gleicht er einer Drossel.
Die Amsel ist vielleicht unser bester Sänger, wenigstens meinem Geschmack nach; ihr Gesang giebt dem unsrer englischen Amsel nichts nach, dabei ist der Vogel selbst weit schöner von Gefieder, welches glänzend, schillernd und grünlich schwarz ist. Der obere Flügeltheil der ausgewachsenen männlichen Amsel ist lebhaft orangefarben; bei den jüngern Vögeln und beim Weibchen, welches leicht gefleckt ist, bemerkt man nichts davon.
Gegen die Mitte des Sommers, wenn die Saaten zu reifen anfangen, versammeln sich diese Vögel in großen Heerden; ihre Plünderungen und Raubzüge scheinen von den ältesten Gliedern der Familie geleitet und beaufsichtigt zu werden. Wollen sie sich auf ein Hafer- oder Weizen-Feld niederlassen, so stellen sie zwei oder drei Schildwachen aus, die bei Annäherung von Gefahr Dseck-dseck-dseck schreien.
Diese Vorsicht scheint indeß überflüssig und unnöthig zu sein, denn sie sind so verwegen, daß sie sich nicht leicht verscheuchen lassen, und fliegen sie ja auf, so geschieht es blos, um in geringer Entfernung wieder in dasselbe Feld einzufallen, oder sie begeben sich auf die Bäume, wo ihre Vorposten Wache halten.