Die geruchreichsten und würzigsten Blumen sind unsre wilden Rosen, welche die Luft mit den angenehmsten Düften füllen, die purpurne Monarde, die von der Blüthe bis zur Wurzel Wohlgeruch ist, selbst nachdem sie Monate lang der kalten Winter-Atmosphäre ausgesetzt gewesen; ihre getrockneten Blätter der Samen-Behälter sind so aromatisch, daß sie Händen und Kleidern ihren angenehmen Parfume mittheilen. Alle unsre Münzen haben einen sehr starken aromatischen Geruch; das Maiblümchen verbreitet den süßesten Duft; hierher gehören auch meine Königin der Seen (die weiße Wasser-Lilie) und ihr Gefährte, der Wasser-König, nebst vielen andern Blumen, die ich jetzt nicht aufzählen kann. Gewiß ist indeß, daß es unter einem so großen Verein von Blumen, verhältnißmäßig nur wenige giebt, welche aromatische Gerüche aushauchen; einige unsrer Waldbäume verbreiten einen angenehmen Parfume. Ich bin auf meinen Spaziergängen oft stehen geblieben, um an sonnigen Tagen den wohlriechenden Duft von einem Cedern-Moor, während die dicht verschränkten Aeste und Zweige noch voll Thautropfen von einem frischgefallnen Schauer hingen, in vollen Zügen einzuathmen.

Nicht unerwähnt darf hier die Balsam-Pappel oder Tacamahac bleiben, welche die Luft um sich her mit Wohlgerüchen schwängert, vorzüglich wenn die Gummi-Knospen sich eben zu entfalten anfangen; die Balsam-Pappel bildet sich zu einem schönen zierlichen Baume aus, versteht sich, wo sie Raum genug zur Ausbreitung ihrer Aeste hat. Sie wächst vorzüglich an den Ufern der Seen und in offnen Mooren, bildet aber auch eine Hauptzierde unsrer Ebnen und nimmt sich mit ihren silberfarbigem runden, wehenden Laube sehr schön aus; die Rinde schwitzt ein klares Gummi-Harz in durchsichtigen Kügelchen aus, und die Knospen überziehen sich mit einer in hohem Grade aromatischen gummösen Flüssigkeit.

Unsre Gräser verdienen alle Aufmerksamkeit; es giebt hier Varietäten, die mir ganz neu sind und getrocknet eine elegante Zierde unsrer Kamine bilden; auf dem Kopfe einer Dame würden sie sich sehr hübsch ausnehmen, wenn nur nicht die Mode stets künstlichen Putz dem natürlichen vorzöge.

Eine oder zwei Gras-Arten, die ich gesammelt habe, zeigten, ihre Kleinheit abgerechnet, große Aehnlichkeit mit dem indianischen Korn; sie haben eine Troddel oder Quaste, und eine achtseitige Aehre; die kleinen Körner sind reihenweise um die Spindel angeordnet. Das Sisyrinchium oder blauäugige Gras hat eine niedliche kleine azurblaue Blume, mit einem goldfarbigen Fleck an der Basis jedes Blumenblattes; die Blätter sind steif und fahnenartig; diese niedliche Pflanze wächst büschelweise auf leichtem sandigen Boden.

Ich habe Ihnen in Vorliegendem eine Beschreibung der bemerkenswerthesten Pflanzen gegeben; und wenn auch meine Mittheilungen zum Theil der ächt botanischen Nomenclatur nicht ganz entsprechen mögen, so habe ich sie doch mindestens gerade so geschildert, wie sie mir erschienen sind.

Mein holdes Knäbchen scheint bereits Geschmack an Blumen zu finden, und ich will diesen so sehr als möglich befördern. Botanik ist ein Studium, welches zur Veredlung und Verfeinerung der Seele beiträgt, es kann auf eine einfache Weise zur Himmelsleiter gemacht werden, wenn man ein Kind lehrt, mit Liebe und Bewunderung auf jenen allmächtigen und gütigen Gott zu blicken, der die Blumen so schön schuf und bildete, um diese Erde zu befruchten und zu schmücken.

Leben Sie wohl Theuerste Freundin.


Fußnoten:

[51] Blitum (Strawberry-bearing spinach, Indian Strawberry.)