Könnte man sich nur einbilden, daß Canada einst der Schauplatz von Elfen-Festen gewesen, so würde ich ohne weiteres behaupten, daß dieses zierliche Gewächs sich wohl geeignet, den Elfen-Hof von Oberon und Titania zu beschatten.
Wenn dieses Farnkraut zuerst über der Erde erscheint, so ist es von dem verwitterten Holze der umgestürzten Fichten kaum zu unterscheiden; es hat dann eine licht röthlichbraune Farbe und ist seltsam zusammengerollt. Im Mai und Juni entfalten sich die Blätter und nehmen bald das zarteste Grün an; sie sind fast durchsichtig; das Vieh frißt sehr gern davon.
Die Mocassin-Blume (Ginster) Frauen-Schuh[55], (bemerken Sie die seltsame Aehnlichkeit zwischen der indianischen und unsrer Benennung der Pflanze) ist eine unsrer bemerkenswerthesten Blumen, sowohl wegen ihres eigenthümlichen Baues als auch wegen ihrer Schönheit. Unsre Ebnen und trocknen sonnigen Weideplätze bringen verschiedne Spielarten hervor; unter diesen sind der gelbe Frauen-Schuh[56], (Cypripedium pubescens) und Cypripedium Arietinum die schönsten.
Die Honiglippe des erstern ist lebhaft canariengelb und mit dunkel carmosinrothen Flecken betupft. Die obern Blumen-Blätter bestehen in zwei kurzen und zwei langen; in Gefüge und Farbe gleichen sie der Scheide von einigen der Narzissen-Gattungen; die kurzen stehen aufrecht, wie ein paar Ohren, die langen oder seitlichen sind dreimal so lang als die erstern, sehr schmal und zierlich gewunden, wie die spiralförmigen Hörner des wallachischen Widders; lüftet man eine dicke gelbe fleischige Art von Deckel, in der Mitte der Blume, so sieht man
das genaue Gesicht eines indianischen Hundes, vollkommen in allen seinen Theilen, — Nase, Augen und Schnauze; darunter hängt ein offner Sack herab, der rings um die Oeffnung leicht zusammen gezogen ist, wodurch er ein hohles und bauchiges Ansehn erhält; die innere Seite dieses Sackes ist zart mit Dunkelcarmosin getupft oder schwarz gefleckt; der Blumen-Schaft schwillt nach oben zu an und bildet eine Krümmung; die Blätter sind groß, oval, etwas zugespitzt und gerippt. Die Pflanze wird nicht viel über sechs Zoll hoch; die schöne Farbe und das seidenartige Gewebe der Unterlippe oder des Sackes macht, daß ich für meinen Theil ihrer Blüthe den Vorzug vor der purpurnen und weißen Varietät gebe, wiewohl letztre wegen der Größe der Blume und der Blätter, außer dem Contrast zwischen der weißen und rothen oder weißen und purpurnen Farbe, weit mehr in die Augen fällt.
In Bildung und Structur gleicht diese Species der andern, nur mit dem Unterschiede, daß die Hörner nicht gewunden sind, und das Gesicht mehr dem eines Affen ähnelt; sogar der komische Ausdruck des Thieres ist mit so bewundernswürdiger Treue nachgeahmt, daß man bei Erblickung der seltsamen, unruhig erscheinenden Fratze, mit ihren schwarzen, unter ihrer Capuze hervorschauenden Augen, unwillkührlich lächeln muß.
Diese Pflanzen gehören der Gynandria diandria an; Pursh beschreibt sie mit einigen Abweichungen, und vergleicht z. B. das Gesicht der letztern mit dem des Schafs; wenn aber ein Schaf zu diesem Gemälde saß, so muß es das verschmitzteste und boshafteste der ganzen Heerde gewesen sein.
Ein seltsames Wasser-Gewächs kommt in seichten, stockenden und langsam fließenden Gewässern vor; es enthält ein ganzes Weinglas Wasser. Ein armer Soldat brachte mir ein Exemplar und fügte die Bemerkung hinzu, es gleiche einer Pflanze, die er oft in Egypten gesehn, und die von den Soldaten »Soldaten-Becher« genannt werde, und daß er selbst manchen Trunk frischen Wassers daraus geschlürft habe.
Ein andres Exemplar erhielt ich von einem Herrn, der meine Vorliebe für fremde Gewächse kannte, er gab ihm sehr passend den Namen Krug-Pflanze (Pitcher-Plant) höchst wahrscheinlich gehört sie zu dem Geschlecht, welches diesen Namen führt.