Eine hübsche hölzerne Brücke, auf steinernen Pfeilern, ist im vorigen Winter gebaut worden, um die Gemeinde-Bezirke auf beiden Flußufern mit einander zu verbinden und den Abstand von Peterborough zu vermindern; und ob sie gleich unglücklicher Weise in der ersten Hälfte des letzten Frühjahrs durch das ungewöhnliche Steigen der Otanabee-Seen fort geführt worden ist, so hat doch ein thätiger und unternehmender junger Schotte, der Gründer des Dorfes, auf ihren Trümmern eine neue errichtet.

Allein das große Werk, welches früher oder später diesen Theil des Distriktes seinem gegenwärtigen Dunkel entreißen wird und muß, ist die Eröffnung einer Schiffahrts-Linie vom Huronen-See durch den Simcoe-See, so wie durch unsre Kette kleiner Seen bis zum Reis-See und endlich durch den Tremt bis zur Bay von Quinte. Dieses großartige Werk dürfte von unberechenbarem Vortheil sein, indem dadurch eine direkte Communication zwischen dem Huronen-See und den weiter einwärts im Lande jenseits des Otanabee gelegnen Gemeinde-Bezirken mit dem St. Laurence eröffnet werden würde. Dieses Project ist bereits der Regierung zur Berathung vorgelegt worden und ist gegenwärtig ein Gegenstand des allgemeinen Gesprächs im Lande; jedenfalls wird es früher oder später zur Ausführung kommen. Es ist mit einigen Schwierigkeiten und Kosten verbunden, wird aber nothwendiger Weise nicht wenig zum Gedeihen und Wohlstande des Landes beitragen, und das Mittel zur Ansiedlung der jenseits des Otanabee längs diesen Seen gelegnen Gemeinde-Bezirken werden.

Ich muß es erfahrnern Leuten, als ich bin, überlassen, die Ersprießlichkeit und Trefflichkeit des fraglichen Plans zu beurtheilen; und da Sie, wie ich denke, nicht Willens sind, nach unsern Urwäldern auszuwandern, so dürfte Ihnen eine flüchtige Andeutung des Unternehmens genügen, und Sie werden schon aus Freundschaft zu mir, — dafür stimmen, daß die Eröffnung eines Marktes für inländische Erzeugnisse nicht anders als höchst wünschenswerth sein könne.

Canada ist das Land der Hoffnung, hier ist alles neu, alles schreitet hier vorwärts, es ist für Künste und Wissenschaften, für Ackerbau und Manufacturwesen fast unmöglich, Rückschritte zu thun; sie müssen beständig vorwärts gehen, und wenn auch in einigen Theilen des Landes diese Fortschritte langsam erscheinen mögen, so sind sie doch in andern verhältnißmäßig eben so reißend.

Die Thatkraft, der Unternehmungs-Geist der Auswandrer, besonders in den nur theilweise besiedelten Gemeinde-Bezirken, wird in fortwährender Anregung erhalten, ein Umstand, der sie in hohem Grade vor Entmuthigung und Verzagtheit schützt.

Die Ankunft eines unternehmenden Mannes wirkt anspornend auf die um ihn her, eine gewinnversprechende Speculation kommt in Vorschlag, und siehe, das Land in der Nachbarschaft steigt an Werth um das Doppelte, ja Dreifache gegen früher; auf diese Weise befreundet und fördert er ohne gerade die Absicht zu haben, seine Nachbarn; die Pläne eines Ansiedlers sind, so bald sie in Ausführung treten, für viele wohlthätig. Wir haben bereits die wohlthätige Wirkung der Ansiedlung neuer achtbarer Emigranten in unserm Gemeinde-Bezirk gefühlt, indem der Werth unsers Boden-Eigenthums dadurch um das Dreifache gestiegen ist.

Alles dies liebe Freundin, werden Sie sagen, ist recht gut, und dürfte verständigen Männern viel Stoff zu einer lehrreichen Unterhaltung gewähren, aber uns Frauen wollen dergleiche ernsthafte Erörterungen nicht recht behagen; daher bitte ich Sie, ein andres Thema zu wählen, und mir lieber zu erzählen, wie Sie Ihre Zeit unter den Bären und Wölfen Canadas zubringen.

An einem schönen Tage im letzten Juni besuchte ich zu Wasser die Braut eines jungen See-Offiziers, der ein sehr hübsches Stück Land, etwa zwei (englische) Meilen oberhalb des Sees gekauft hatte; unsre Gesellschaft bestand aus meinem Gatten, meinem Knäbchen und meiner Wenigkeit; wir trafen einige angenehme Freunde an, und belustigten uns ganz zu unsrer Zufriedenheit. Das Mittagsmahl wurde in dem Stoup aufgetischt, das ist, (denn sie möchten schwerlich wissen, was das Wort bedeutet,) eine Art weite Vorhalle (Verandah), die auf Pfeilern, häufig unabgerindeten Baumstämmen ruht; der Fußboden besteht entweder aus hart getretnem Erdreich oder Dielen (Bretern). Das Dach ist mit Rindenschichten oder Schindeln gedeckt. Diese Stoups sind holländischen Ursprungs und, wie man mir gesagt hat, von den ersten holländischen Ansiedlern in den Staaten eingeführt worden; seitdem haben sie ihren Weg in alle übrige Colonien gefunden.

Von der Scharlach-Ranke, einer in unsern Wäldern und Wildnissen einheimischen Pflanze, der wilden Rebe, und der Hopfen-Pflanze, die hier sehr üppig und ohne Arbeit oder Aufmerksamkeit auf ihre Cultur gedeiht, bekränzt, haben die Stoups ein recht ländliches Ansehn; im Sommer dienen sie als offnes Vorzimmer, wo man sein Mahl einnehmen und das Anwehen der frischen Luft genießen kann, ohne von der heftigen Hitze der Mittagssonne belästigt zu werden.

Diese Lage unsers Hauses ist vorzüglich gut gewählt, gerade auf dem höchsten Punkte einer kleinen aufsteigenden Ebne, die sich ziemlich steil nach einem kleinen Thale herabneigt, in dessen Grunde ein klarer Bach den Garten von den ihm gegenüberliegenden Korn-Feldern, die das Ufer bekränzen, scheidet. Gerade im Angesicht der Vorhalle (Stoup), wo wir im Sommer unser Mittags-Mahl einnehmen, ist der Garten angelegt, mit einem weichen, von Blumen-Rabatten umsäumten Rasen-Plätzchen, und von einem reifenden Weizenfelde durch ein kleines Geländer, an welchem sich der üppige Hopfen mit seinen Gäbelchen und zierlichen Blüthen hinauf rankt, geschieden. Bei dieser Gelegenheit muß ich Ihnen sagen, daß der Hopfen zur Bereitung von Hefen für das Brod gezogen wird. Da sie an Gegenständen, die den Haushalt betreffen, großes Wohlgefallen finden, so will ich ein Recept, die Bereitung von Hopfen-Hefen, wie wir sie nennen, betreffend, für Sie beilegen[57].