Verbreitung der Süsswasser-Bewohner. — Die Bewohner der ozeanischen Inseln. — Abwesenheit von Batrachiern und Land-Säugthieren. — Beziehungen zwischen den Bewohnern der Inseln und der nächsten Festländer. — Über Ansiedelung aus den nächsten Quellen und nachherige Abänderung. — Zusammenfassung der Folgerungen aus dem letzten und dem gegenwärtigen Kapitel.
Dreizehntes Kapitel. Wechselseitige Verwandtschaft organischer Körper; Morphologie; Embryologie; Rudimentäre Organe. [S. 443.]
Klassifikation: Unterordnung der Gruppen. — Natürliches System. — Regeln und Schwierigkeiten der Klassifikation erklärt aus der Theorie der Fortpflanzung mit Abänderung. — Klassifikation der Varietäten. — Abstammung bei der Klassifikation gebraucht. — Analoge oder Anpassungs-Charaktere. — Verwandschaften: allgemeine, verwickelte und strahlenförmige. — Erlöschung trennt und begrenzt die Gruppen. — Morphologie: zwischen Gliedern einer Klasse und zwischen Theilen eines Einzelwesens. — Embryologie: deren Gesetze daraus erklärt, dass Abänderung nicht in allen Lebens-Arten eintritt, aber in korrespondirendem Alter vererbt wird. — Rudimentäre Organe: ihre Entstehung erklärt. — Zusammenfassung.
Vierzehntes Kapitel. Allgemeine Wiederholung und Schluss. [S. 491.]
Wiederholung der Schwierigkeiten der Theorie Natürlicher Züchtung. — Wiederholung der allgemeinen und besondern Umstände, zu deren Gunsten. — Ursachen des allgemeinen Glaubens an die Unveränderlichkeit der Arten. — Wie weit die Theorie Natürlicher Züchtung auszudehnen. — Folgen ihrer Annahme für das Studium der Naturgeschichte. — Schluss-Bemerkungen.
Fünfzehntes Kapitel. Schlusswort des Übersetzers. [S. 525.]
Eindruck und Wesen des Buches. — Stellung des Übersetzers zu demselben. — Zusammenfassung der Theorie des Verfassers. — Einreden des Übersetzers. — Aussicht auf künftigen Erfolg.
Vorrede des Verfassers.
Ich will hier versuchen, eine kurze und sehr unvollkommene Skizze von der Entwickelung der Meinungen über die Entstehung der Species zu geben. Die grosse Mehrzahl der Naturforscher hat geglaubt, Arten seyen unveränderliche Erzeugnisse und jede einzelne für sich erschaffen: diese Ansicht ist von vielen Schriftstellern mit Geschick vertheidigt worden. Nur wenige Naturforscher nehmen dagegen an, dass Arten einer Veränderung unterliegen, und dass die jetzigen Lebenformen durch wirkliche Zeugung aus andern früher vorhandenen Formen hervorgegangen sind. Abgesehen von den Schriftstellern der klassischen Periode bis zu BUFFON, mit deren Schriften ich nicht vertraut bin, war LAMARCK der erste, dessen Meinung, dass Arten sich verändern, Aufsehen erregte. Dieser mit Recht gefeierte Naturforscher veröffentlichte seine Ansichten zuerst 1801 und dann besser entwickelt 1809 in seiner Zoologie philosophique, so wie 1815 in seiner Einleitung in die Naturgeschichte der Wirbel-losen Thiere, in welchen Schriften er die Lehre von der Abstammung der Arten von einander aufstellt. Er hat das grosse Verdienst, die Aufmerksamkeit zuerst auf die Wahrscheinlichkeit gelenkt zu haben, dass alle Veränderungen in der organischen wie in der unorganischen Welt die Folgen von Natur-Gesetzen und nicht von wunderbaren Zwischenfällen sind. LAMARCK scheint hauptsächlich durch die Schwierigkeit Arten und Varietäten von einander zu unterscheiden, durch die fast ununterbrochene Stufen-Reihe der Formen in manchen Organismen-Gruppen und durch die Analogie mit unsren Züchtungs-Erzeugnissen zu jener Annahme geführt worden zu seyn. Was die Mittel betrifft, wodurch die Umwandlung der Arten in einander bewirkt werde, so schreibt er Einiges auf Rechnung der äusseren Lebens-Bedingungen, Einiges auf die einer Kreutzung der Formen und leitet das Meiste von dem Gebrauche und Nichtgebrauche der Organe oder von der Wirkung der Gewohnheit ab. Dieser letzten Kraft scheint er all’ die schönen Anpassungen in der Natur zuzuschreiben, wie z. B. den langen Hals der Giraffe, der sie in den Stand setzt, die Zweige grosser Bäume abzuweiden. Doch nahm er zugleich ein Gesetz fortschreitender Entwickelung an, und da hiernach alle Lebenformen fortzuschreiten gestrebt, so war er, um von dem Daseyn sehr einfacher Natur-Erzeugnisse auch in unsren Tagen Rechenschaft zu geben, noch eine Generatio spontanea zu Hülfe zu rufen genöthigt[1].
ETIENNE GEOFFROY SAINT-HILAIRE vermuthete, wie sein Sohn in dessen Lebens-Beschreibung berichtet, schon ums Jahr 1795, dass unsre sogenannten Species nur Ausartungen eines und des nämlichen Typus seyen. Doch erst im Jahre 1828 veröffentlichte er seine Überzeugung[2], dass sich die Formen nicht in unveränderter Weise seit dem Anfang der Dinge fortgepflanzt haben. GEOFFROY scheint die Ursache der Veränderungen hauptsächlich in dem „Monde ambiant“ gesucht zu haben. Doch war er vorsichtig in dieser Beziehung, und sein Sohn sagt: „C’est donc un problème à réserver entièrement à l’avenir, supposé même, que l’avenir doive avoir prise sur lui“.