In England erklärte der Hochwürdige W. HERBERT, nachheriger Dechant von Manchester, in seinem Werke über die Amaryllidaceae (1837, S. 1, 19, 339), es seye durch Hortikultur-Versuche unwiderlegbar dargethan, dass Pflanzen-Arten nur eine höhere und beständigere Stufe von Varietäten seyen. Er dehnt die nämliche Ansicht auch auf die Thiere aus. Der Dechant ist der Meinung, dass anfangs nur einzelne Arten jeder Sippe von einer sehr bildsamen Organisation geschaffen worden seyen, und dass diese sodann durch Kreutzung und Abänderung alle unsre jetzigen Arten erzeugt haben.

Im Jahre 1826 erklärte Professor GRANT im Schluss-Paragraphen seiner wohl-bekannten Abhandlung über Spongilla (Edinburgh Philos. Journ. XIV, 283) seine Meinung ganz klar dahin, dass Arten von andern Arten entstanden sind und nur durch fortdauernde Veränderungen verbessert werden. Die nämliche Ansicht hat er auch 1834 im „Lancet“ in seiner 55. Vorlesung wiederholt.

Dann entwickelte PATRICK MATTHEW in seinem „Naval Timber and Arboriculture“ seine Überzeugung über die Entstehung der Arten ganz übereinstimmend mit der von WALLACE und mir selbst im „Linnean Journal“ und in dem gegenwärtigen Bande gegebenen Darstellung. Unglücklicher Weise jedoch schrieb MATTHEW seine Ansicht nur in zerstreuten Sätzen in einem Werke über einen ganz anderen Gegenstand nieder, so dass sie völlig unbeachtet blieb, bis er selbst 1860 im Gardeners Chronicle vom 7. April die Aufmerksamkeit darauf lenkte. Die Abweichungen seiner Ansicht von der meinigen sind nicht von wesentlicher Bedeutung. Er scheint anzunehmen, dass die Organismen-Welt der Erde in aufeinander-folgenden Zeiträumen beinahe ausgestorben und diese dann wieder neu bevölkert worden ist, und er gibt als eine Alternative, dass neue Formen erzeugt werden „ohne die Anwesenheit eines Modells oder Keimes von früheren Aggregaten“. Ich bin nicht gewiss, ob ich alle Stellen richtig verstehe; doch scheint er grossen Werth auf die unmittelbare Wirkung der äussern Lebens-Bedingungen zu legen. Er erkannte jedoch deutlich die volle Bedeutung des Prinzips der Natürlichen Züchtung. Auf einen Brief (a. a. O. April 13.), in welchem ich MATTHEW’N als meinen Vorgänger anerkannte, entgegnete er mit edler Offenheit (a. a. O. Mai 12.) unter Andern mit folgenden Worten: „dieses Natur-Gesetz bot sich meinem Blicke wie eine für sich selbst klare Thatsache und nicht in Folge darauf verwendeten Nachdenkens dar. DARWIN hat ein weit grösseres Verdienst bei dieser Entdeckung; denn ich habe nicht geglaubt eine Entdeckung zu machen. Er scheint es auf induktivem Wege ausgemittelt zu haben, indem er langsam und mit der nöthigen Vorsicht voranging und eine Thatsache an die andere reihete, — während mir nur im Hinblick auf die Verfahrungs-Weise der Natur im Allgemeinen die Wahlerzeugung der Arten vorkam wie eine a priori erkennbare Thatsache, wie ein Axiom, das man nur auszusprechen brauche, um ihm die Anerkennung eines jeden unbefangenen fähigen Beurtheilers zu verschaffen.“

RAFINESQUE schreibt 1836 in seiner New Flora of North America, p. 6, 18: „alle Arten mögen einmal blosse Varietäten gewesen und viele Varietäten durch allmähliche Befestigung ihrer Charaktere zu Species geworden seyn,“ — „mit Ausnahme jedoch des Original-Typus oder Stammvaters jeder Sippe“.

Im Jahre 1843–44 hat Professor HALDEMAN zu Boston in den Vereinten Staaten die Gründe für und gegen die Hypothese der Entwickelung und Umgestaltung der Arten in angemessener Weise zusammengestellt (im Journal of Natural History, vol. IV, p. 468) und scheint sich mehr zur Ansicht für die Veränderlichkeit zu neigen.

Die Vestiges of Creation sind zuerst 1844 erschienen. In der zehnten sehr verbesserten Ausgabe (1853, p. 155) sagt der ungenannte Verfasser: „das auf reichliche Erwägung gestützte Ergebniss ist, dass die verschiedenen Reihen beseelter Wesen von den einfachsten und ältesten an bis zu den höchsten und neuesten die unter Gottes Vorsehung gebildeten Erzeugnisse sind 1) eines den Lebenformen ertheilten Impulses, der sie in abgemessenen Zeiten auf dem Wege der Generation von einer zur anderen Organisations-Stufe bis zu den höchsten Dikotyledonen und Wirbelthieren erhebt, — welche Stufen nur wenige an Zahl und gewöhnlich durch Lücken in der organischen Reihenfolge von einander geschieden sind, die eine praktische Schwierigkeit bei Ermittelung der Verwandtschaften abgeben; — 2) eines andren Impulses, welcher mit den Lebenskräften zusammenhängt und im Laufe der Generationen die organischen Gebilde in Übereinstimmung mit den äusseren Bedingungen, wie Nahrung, Wohnort und meteorische Kräfte sind, abzuändern strebt: Diess sind die „Anpassungen des Natural-Theologen“. Der Verfasser ist offenbar der Meinung, dass die Organisation sich durch plötzliche Sprünge vervollkommne, die Wirkungen der äusseren Lebens-Bedingungen aber stufenweise seyen. Er folgert mit grossem Nachdruck aus allgemeinen Gründen, dass Arten keine unveränderlichen Produkte seyen. Ich vermag jedoch nicht zu ersehen, wie die unterstellten zwei „Impulse“ in einem wissenschaftlichen Sinne Rechenschaft geben können von den zahlreichen und schönen Zusammenpassungen, welche wir allerwärts in der ganzen Natur erblicken; ich vermag nicht zu erkennen, dass wir dadurch zur Einsicht gelangen, wie z. B. die Organisation des Spechtes seiner besondern Lebensweise angepasst worden ist. Das Buch hat sich durch seinen glänzenden und hinreissenden Styl sofort eine sehr weite Verbreitung errungen, obwohl es in seinen früheren Auflagen ungenaue Kenntnisse und einen grossen Mangel an wissenschaftlicher Vorsicht verrieth. Nach meiner Meinung hat es vortreffliche Dienste dadurch geleistet, dass es in unsrem Lande die Aufmerksamkeit auf den Gegenstand lenkte und Vorurtheile beseitigte.

Im Jahre 1846 veröffentlichte der Veterane unter den Geologen, D’OMALIUS D’HALLOY, in einem vortrefflichen kurzen Aufsatze (im Bulletin de l’Académie Roy. de Bruxelles, Tome XIII, p. 581) seine Meinung, dass es wahrscheinlicher seye, dass neue Arten durch Descendenz mit Abänderung des alten Charakters hervorgebracht, als einzeln geschaffen worden seyen; er hatte diese Ansicht zuerst im Jahre 1831 aufgestellt.

In Professor R. OWEN’S Nature of Limbs, 1849, p. 86 kommt folgende Stelle vor: „Die Grund-Idee war in der Thier-Welt unseres Planeten in verschiedenen Modifikationen bereits ausgesprochen lange vor dem Daseyn der sie jetzt erläuternden Thier-Arten. Von welchen Natur-Gesetzen oder sekundären Ursachen aber das ordnungsmässige Aufeinanderfolgen und Fortschreiten solcher organischen Erscheinungen abhängig gewesen seye, Das ist uns bis jetzt nicht bekannt geworden.“ In seiner Ansprache an die Britische Gelehrten-Versammlung im Jahre 1858 spricht er (S. II) vom „Axiom der fortwährenden Thätigkeit der Schöpfungs-Kraft oder des geordneten Werdens lebender Wesen“, — und fügt später (S. XC) mit Bezugnahme auf die geographische Verbreitung bei: „Diese Erscheinungen erschüttern unser Vertrauen in die Annahme, dass der Apteryx in Neuseeland und das rothe Waldhuhn in England verschiedene Schöpfungen in und für die genannten Inseln allein seyen. Auch darf man nicht vergessen, dass das Wort Schöpfung für den Zoologen nur einen unbekannten Prozess bedeutet.“ OWEN führt diese Vorstellung dann weiter aus, indem er sagt, „wenn der Zoologe solche Fälle, wie den vom rothen Waldhuhn als eine besondere Schöpfung des Vogels auf und für eine einzelne Insel aufzählt, so will er damit eben nur ausdrücken, dass er nicht begreife, wie derselbe dahin und eben nur dahin gekommen seye, und dass er demzufolge beide, Insel wie Vogel, von einer grossen ersten Schöpfungs-Kraft abzuleiten geneigt seye.“

ISIDORE GEOFFROY ST.-HILAIRE spricht in seinen im Jahre 1850 gehaltenen Vorlesungen (von welchen ein Auszug in Revue et Magazin de Zoologie 1851, Jan. erschien) seine Meinung über Arten-Charaktere kürzlich dahin aus, dass sie „für jede Art feststehen, so lange als sich dieselbe inmitten der nämlichen Verhältnisse fortpflanze, dass sie aber abändern, sobald die äusseren Lebens-Bedingungen wechseln“. Im Ganzen „zeigt die Beobachtung der wilden Thiere schon die beschränkte Veränderlichkeit der Arten. Die Versuche mit gezähmten wilden Thieren und mit verwilderten Hausthieren zeigen Diess noch deutlicher. Dieselben Versuche beweisen auch, dass die hervorgebrachten Verschiedenheiten vom Werthe derjenigen seyn können, durch welche wir Sippen unterscheiden“. In seiner Histoire naturelle générale (1859, II, 430) gelangt er zu ähnlichen Folgerungen.

Aus einer unlängst erschienenen Veröffentlichung scheint hervorzugehen, dass Dr. FREKE schon im Jahre 1851 (Dublin Medical Press p. 322) die Lehre aufgestellt, dass alle organischen Wesen von einer Urform abstammen. Seine Gründe und Behandlung des Gegenstandes sind aber von den meinigen gänzlich verschieden, und da sein „Origin of Species by means of organic affinity 1861“ jetzt erschienen ist, so dürfte mir der schwierige Versuch, eine Darstellung seiner Ansicht zu geben, wohl erlassen werden.