Soetkin stand den ganzen Tag am Fenster und schaute hinaus, ob sie ihren Sohn Ulenspiegel nicht kommen sähe.
Der aber war in der Gegend von Köln angelangt und fand, daß er zur Stunde Lust zum Gartenbau hatte. Et erbot sich, dem Jan von Zuursmoel als Knecht zu dienen, welcher Landsknechtshauptmann war. Der wäre auf ein Haar gehenkt worden aus Mangel an Lösegeld und hatte einen großen Graus vor dem Hanf, so auf vlämisch Hennep geheißen wird.
Eines Tages wollte Jan von Zuursmoel dem Ulenspiegel seine Arbeit weisen und führte ihn an das Ende seines Gartens; allda sahen sie einen Morgen Ackers, dem Garten benachbart, der ganz mit grünem Hanfe bepflanzt war.
Jan von Zuursmoel sprach zu Ulenspiegel:
„Jedes Mal, so Du dies häßliche Kraut siehest, mußt Du darauf sch....., denn es dient zu Rad und Galgen.“
„Ich werde es tun“, sprach Ulenspiegel.
Eines Tages saß Jan von Zuursmoel bei Tafel mit etlichen gefräßigen Freunden, da sprach der Koch zu Ulenspiegel.
„Geh in den Keller und hole Sennep“, welches Senf ist.
Ulenspiegel hörte volle Tücke Hennep statt Sennep, sch... in den Senftopf im Keller und trug ihn zur Tafel auf, nicht ohne Lachen.
„Warum lachst Du?“ fragte Jan von Zuursmoel. „Meinst Du, unsere Nasen seien von Erz? Iß diesen Sennep selber, dieweil Du ihn angerichtet hast.“