Die Wirtin sagte zu ihm:
„Spottest Du meiner? Zahl Deine Zeche.“
„Liebreizende Meisterin,“ gab Ulenspiegel zur Antwort, „Ihr habt nicht das Aussehen einer schlimmen Schuldnerin; im Gegenteil, ich sehe soviel große Aufrichtigkeit, Treuherzigkeit und Nächstenliebe darin, daß Ihr mir lieber achtzehn Gülden zahlen würdet, als mir die sechs verweigern, die Ihr mir schuldet. Die schönen Augen! Die Sonne, die Strahlenpfeile auf mich schleudert und verliebte Tollheit aufschießen läßt, höher als die Quecken auf einem Brachfeld.“
Die Wirtin entgegnete:
„Ich habe nichts mit Deiner Tollheit noch mit Deinen Quecken zu schaffen; bezahle und scheer Dich fort.“
„Fortgehen und Dich nicht fürder sehen! Lieber wollt’ ich augenblicks verscheiden. Meisterin, süße Meisterin, ich habe nicht die Gewohnheit für sechs Gülden zu essen, ich armer junger Kerl, der über Berg und Tal wandert. Ich habe mich vollgestopft, und bald werde ich wie ein Hund in der Sonne die Zunge heraushängen lassen. Geruht, mich zu bezahlen, ich habe die sechs Gülden durch die harte Arbeit meiner Kinnbacken redlich verdient. Gebt sie mir und ich werde Euch mit solcher Glut der Dankbarkeit liebkosen, küssen und umarmen, daß siebenundzwanzig Verliebte mitsammen zu solcher Leistung nicht ausreichen.“
„Du redest so ums Geld“, sagte sie.
„Soll ich Dich umsonst aufessen?“
„Nein“, sprach sie, sich seiner erwehrend.
„Ach,“ seufzte er, sie verfolgend, „Deine Haut ist wie Rahm, Deine Haare sind wie ein Fasan, der am Spieß gebräunt ist, Deine Lippen wie Kirschen! Gibt es eine, die leckerer ist als Du?“