Ohne ein Wort zu sagen, ging er und holte eine Metze Hafer, gab sie dem Esel zu fressen, sprang ihm hurtig auf den Rücken, ergriff den Zügel, drehte sich nach Norden, Osten und Westen und segnete von ferne die Alten.
Die knieten, ohnmächtig vor Schreck, nieder, und in der Spinnstube hieß es hernach, daß ein Engel, der einen Filzhut mit Fasanenfeder trug, gekommen sei, sie alle zu segnen und durch absonderliche Gnade Gottes den Esel des Zauberers fortzuführen.
Und Ulenspiegel trabte auf seinem Esel von dannen, mitten durch fette Weiden, wo Pferde frei umhersprangen und Kühe und Färsen träg in der Sonne lagen und wiederkäuten. Und er nannte ihn Jef.
Der Esel stand still und hielt wohlgemut sein Mittagmahl von Disteln. Bisweilen jedoch zitterte er über die ganze Haut und schlug mit dem Schwanz an die Flanken, um die gefräßigen Bremsen zu vertreiben, die auch speisen wollten, aber von seinem Fleische.
Ulenspiegel, dessen Magen vor Hunger knurrte, war trübselig.
„Du wärest recht glücklich, Herr Esel,“ sagte er, „bei Deinem Mittagmahl von fetten Disteln, „wann keiner Dich in Deinem Wohlbehagen störte und Dich erinnerte, daß Du sterblich bist, das ist geboren, um alle Arten von Unbill zu erdulden. Gleich wie Du,“ fuhr er fort und drückte den Esel mit den Schenkeln, „hat der Mann vom heiligen Pantoffel seine Bremse, das ist der Doktor Luther, und seine Hohe Majestät Karl hat auch die seine, das ist Herr Franz, der erste des Namens, der König mit der sehr langen Nase und dem noch längeren Degen. Darum ist es mir, dem armen jungen Kerl, der wie ein Jude herumirrt, wohl erlaubt, auch eine Bremse zu haben, Herr Esel. Ach, alle meine Täschlein sind durchlöchert und durch das Loch laufen all meine schönen Dukaten, Gülden und Taler davon wie eine Legion Mäuse, so dem Rachen einer Katze entfleuchen. Ich weiß nicht, warum das Geld mich nicht mag, der ich so gern das Geld möchte. Was man auch sage, Fortuna ist kein Weib, denn sie liebt nur die geizigen Filze, so sie in Truhen und Säcke sperren und mit zwanzig Schlüsseln verschließen und ihr nimmer erlauben, ein Endlein ihrer ganz vergüldeten Nase ans Fenster zu drücken. Das ist die Bremse, die an mir nagt und frißt und mich kitzelt, ohne mich zum Lachen zu bringen, Du hörst mich nicht an, Herr Esel, und denkst nur ans Fressen. O, Du Fettwanst, der seinen Wanst anfüllt, Deine langen Ohren sind taub für das Knurren der leeren Bäuche. Hör mich an, ich will es.“
Und er peitschte ihn fort. Der Esel hub an zu schreien.
„Nun Du gesungen hast, laß uns weitergehen“, sagte Ulenspiegel.
Aber der Esel rührte sich nicht mehr denn ein Meilenstein und schien den Vorsatz gefaßt zu haben, alle Disteln an der Straße bis auf die letzte zu fressen. Und es mangelte nicht daran.
Da Ulenspiegel das sah, stieg er ab, schnitt einen Strauß Disteln, hielt ihn dem Esel unter die Nase und führte ihn solcherart bis in das Gebiet des Landgrafen von Hessen.