„Jef, da kommt der hohe Herr von Lüneburg. Am Halse juckt mich ein Strick, wenn nur der Henker mich nicht kratzt. Jef, ich will gern gekratzt, aber nicht gehenkt werden. Gedenke, daß wir Genossen im Elend sind und beide lange Ohren haben; gedenke auch, welch guten Freund Du an mir verlörest.“
Und Ulenspiegel wischte sich die Augen, und der Esel hub an zu schreien.
Dann redete er weiter:
„Wir leben lustig oder traurig mitsammen, wie es der Zufall will; gedenkst Du daran, Jef?“ Der Esel fuhr fort zu schreien, denn er hatte Hunger. „Und Du wirst meiner nimmer vergessen können,“ sagte sein Herr, „denn welche Freundschaft wäre von Dauer, denn allein die, so über die nämlichen Freuden lacht und über die nämlichen Schmerzen weint? Jef, Du mußt Dich auf den Rücken legen.“
Der folgsame Esel gehorchte, und mit den vier Hufen in der Luft ward er vom Herzog erblickt. Ulenspiegel setzte sich hurtig auf seinen Bauch. Der Herzog trat zu ihm:
„Was machst Du da?“ fragte er. „Weißt Du nicht, daß ich durch meine letzte Kundgebung Dir bei Galgen und Strick verbot, Deinen staubigen Fuß in meine Lande zu setzen?“
Ulenspiegel antwortete:
„Gnädiger Herr, habt Erbarmen mit mir!“
Dann wies er auf seinen Esel.
„Ihr wisset wohl, daß nach Gesetz und Recht der allzeit frei ist, der in seinen vier Pfählen wohnt.“