Man war derzeit im April. Die Luft war milde gewesen, nun kam ein gestrenger Frost, und der Himmel war grau wie am Tag Allerseelen. Das dritte Jahr von Ulenspiegels Verbannung war seit geraumer Zeit verflossen, und Nele erwartete ihren Freund jeden Tag.

„Wehe,“ sprach sie, „es wird auf die Birnbäume schneien, auf den blühenden Jasmin, auf all die armen Pflanzen, die voll Vertrauen auf die laue Wärme eines vorzeitigen Lenzes erblüht sind. Schon fallen kleine Flocken vom Himmel auf die Wege. Und es schneit auch auf mein armes Herz.

„Wo sind die hellen Strahlen, die auf frohen Angesichtern spielten und auf den Dächern, die sie röter, auf den Scheiben, die sie glänzender machten? Wo sind sie, die Erde und Himmel, Vögel und Immen wärmten? Wehe, bei Nacht und bei Tag friert mich jetzo aus Traurigkeit und langem Harren. Wo bist du, mein Freund Ulenspiegel?“


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Da Ulenspiegel in die Nähe von Renaix in Flandern kam, hatte er Hunger und Durst, wollte aber nicht jammern und versuchte die Leute zum Lachen zu bringen, auf daß man ihm Brot gäbe. Aber das Lachen gelang ihm schlecht, und die Leute gingen vorüber, ohne etwas zu geben.

Es war kalt: eins ums andre schneite, regnete, hagelte es auf den Rücken des Landstreichers. Zog er durch Dörfer, so lief ihm das Wasser im Munde zusammen, wann er nur in einem Mauerwinkel einen Hund einen Knochen benagen sah. Er hätte gern einen Gülden verdient, doch er wußte nicht, wie er ihm in sein Ränzel fallen könnte.

Er suchte in der Luft und sah Tauben, die vom Dach eines Taubenschlages etwas weißes auf den Weg fallen ließen, aber Gülden waren es nicht. Er suchte auf dem Boden der Landstraße; aber zwischen den Pflastersteinen blühten keine Gülden.