Er suchte zur Rechten und sah eine häßliche Wolke, die am Himmel herankam gleichwie eine große Gießkanne; aber er wußte, daß es kein Platzregen von Gülden sein würde, wenn etwas aus dieser Wolke fiele. Er suchte zur Linken und erblickte eine Roßkastanie, einen großen Faulenzer, der da lebte, ohne etwas zu tun: „Ach, sprach er zu sich, warum gibt es nicht Güldenbäume, das wären gar schöne Bäume.“

Unversehens platzte die große Wolke und die Hagelkörner fielen dicht auf Ulenspiegels Rücken wie Kieselsteine. „Wehe,“ sprach er, „ich fühle es genugsam; nur die herrenlosen Hunde wirft man mit Steinen.“ Dann hub er an zu laufen.

„Es ist nicht meine Schuld, wenn ich keinen Palast, nicht einmal ein Zelt habe, um meinen mageren Leib zu schützen. O, die garstigen Hagelkörner; sie sind hart wie Kugeln! Nein, es ist nicht meine Schuld, wenn ich meine Lumpen durch die Welt schleppe, es ist einzig, weil es mir so beliebt hat. Warum bin ich nicht Kaiser! Diese Hagelkörner wollen mit Gewalt in meine Ohren dringen gleich bösen Worten!“ Und er rannte. „Arme Nase, bald wirst Du durchlöchert sein und kannst den Reichen dieser Welt, auf die es nicht hagelt, bei ihren Schmäusen als Pfefferbüchse dienen.“ Dann wischte er sich die Wangen. „Diese werden den Köchen, denen an ihren Herden warm ist, trefflich als Schaumlöffel dienen. Ach, wie fern ist die Erinnerung an die Brühen von einst! Mich hungert! Leerer Bauch, beklage Dich nicht, ihr jammernden Eingeweide, hört auf zu knurren. Wo verbirgst Du Dich, günstiges Glück? Führe mich an den Ort, wo ich Weide finde.“

Dieweil er so zu sich selbst sprach, erhellte sich der Himmel vom Scheine der Sonne; es hörte auf zu hageln und Ulenspiegel sagte: „Guten Tag, Frau Sonne, meine einzige Freundin, Du kannst mich ja trocknen.“

Aber er lief noch immer, denn ihn fror. Plötzlich sah er von fern einen weiß und schwarzen Hund des Weges kommen, der rannte geradeaus, mit hängender Zunge und vorquellenden Augen.

„Das Tier“, sprach Ulenspiegel, „hat die Wut im Leibe!“ Er hub hastig einen großen Stein auf und kletterte auf einen Baum. Als er den ersten Ast erreichte, kam der Hund vorbei und Ulenspiegel schleuderte ihm den Stein auf den Schädel. Der Hund blieb stehen und wollte steif und kläglich auf den Baum klettern und Ulenspiegel beißen, doch er vermochte es nicht und fiel hin, um zu sterben.

Ulenspiegel war dessen nicht froh, zumal er, vom Baume herabsteigend, wahrnahm, daß des Hundes Maul nicht trocken war, wie es seinesgleichen, von der Tollwut ergriffen, gemeiniglich haben. Dann betrachtete er das Fell, sah, daß es schön und gut zu verkaufen war, zog es ihm ab, wusch es und hängte es an seinen Spieß, ließ es ein weniges an der Sonne trocknen und steckte es in seinen Ranzen. Maßen Hunger und Durst ihn noch mehr peinigten, ging er in mehrere Bauernhöfe, wagte aber nicht, das Fell allda zu verkaufen, aus Furcht, daß es das eines Hundes sei, der dem Bauern gehört hatte. Er bat um Brot, man weigerte es ihm. Die Nacht kam. Seine Beine waren matt. Er ging in eine kleine Herberge. Allda sah er eine alte Wirtin, die streichelte einen alten hustenden Hund, dessen Fell dem des Toten glich.

„Woher kommst Du, Wandersmann?“ fragte die Alte.

Ulenspiegel antwortete:

„Ich komme von Rom, allwo ich den Hund des Papstes von einer Verschleimung geheilt habe, die ihn über die Maßen quälte.“