„Du hast also den Papst gesehen?“ fragte sie und zapfte ihm ein Glas Bier ab.
„Ach,“ sprach Ulenspiegel, „es ist mir nur vergönnt gewesen, seinen heiligen Fuß und seinen geweihten Pantoffel zu küssen.“
Indessen hustete der alte Hund der Wirtin und spie nicht aus.
„Wann tatest Du das?“ fragte die Alte.
„Im vorletzten Mond“, antwortete Ulenspiegel, „kam ich an / ich wurde erwartet / und pochte an die Tür. „Wer ist da?“ fragte der allergroßmächtigste, allergeheimste, alleraußerordentlichste Kämmerer Seiner Allerheiligsten Heiligkeit:/ „Ich bin es,“ antwortete ich, „hochwürdiger Kardinal, ich komme eigens von Flandern her, um dem Papste den Fuß zu küssen und seinen Hund von der Schleimsucht zu heilen.“ / „Ei, Du bist es, Ulenspiegel?“ sagte der Papst, der aus einer kleinen Tür von der andern Seite sprach. „Ich würde mich freun, Dich zu sehen, doch das ist gegenwärtig ein unmöglich Ding. Es ist mir durch die heiligen Dekretalen verboten, Fremden mein Antlitz zu zeigen, wenn das heilige Bartmesser darüber fährt.“ / „Ach,“ sagte ich, „ich bin gar unglücklich, ich komme aus weit entlegenen Landen, um Eurer Heiligkeit den Fuß zu küssen und Euren Hund von der Schleimsucht zu heilen. Muß ich mit unerfüllten Wünschen heimkehren?“ / „Nein“, sprach der Papst. Dann hörte ich ihn ausrufen: „Erzkämmerer, schiebt meinen Sessel bis an die untere Tür und öffnet unten das kleine Schiebefenster.“ Solches geschah. Ich sah ihn einen mit güldenem Pantoffel beschuhten Fuß durch das Schiebefenster strecken, und hörte eine Stimme, die gleichwie Donner rollte, sagen: „Dies ist der furchtbare Fuß des Fürsten aller Fürsten, des Königs der Könige, des Kaisers der Kaiser. Küsse, Christ, küsse den heiligen Pantoffel.“ Und ich küßte den heiligen Pantoffel, und ich hatte die Nase ganz voll Balsam von dem himmlischen Duft, den dieser Fuß ausströmte. Dann ward das Fenster geschlossen, und die nämliche furchtbare Stimme hieß mich warten. Die Klappe öffnete sich abermals und heraus kam, mit Respekt zu vermelden, ein Tier mit räudigem Fell, triefäugig, hustend und aufgeblasen wie ein Schlauch; es mußte ob seines Bauches mit gespreizten Beinen gehen.
Der heilige Vater geruhte zum andern Mal zu mir zu sprechen:
„Ulenspiegel,“ sagte er, „hier siehst Du meinen Hund. Er ward von Schleimsucht und andern Gebresten befallen, als er die Knochen von Ketzern, denen man sie gebrochen hatte, benagte. Heile ihn, mein Sohn, Du wirst Dich gut dabei stehen.“
„Trink“, sagte die Alte.
„Schenk ein“, antwortete Ulenspiegel. Dann redete er weiter. „Ich purgierte den Hund mit Hilfe eines Wundertranks, den ich selber gebraut hatte, und er ward geheilt.“
„Jesus, Gott und Maria!“ sagte die Alte, „laß mich Dich küssen, ruhmreicher Pilger, der den Papst gesehen hat und der auch meinen Hund wird heilen können.“