Aber Ulenspiegel machte sich nichts aus den Küssen der Alten und sagte: „Die, deren Lippen den heiligen Pantoffel berührt haben, dürfen innerhalb zweier Jahre von keiner Frau geküßt werden. Gib mir zuvörderst zum Nachtmahl etliche gute Kalbs-Rippchen, eine Blutwurst oder zwei, und Bier zur Genüge, dann will ich Deinem Hund eine so klare Stimme machen, daß, er im Chor der großen Kirche die Aves in e und a singen kann.“

„Möchtest Du die Wahrheit sagen,“ greinte die Alte, „dann werde ich Dir einen Gülden geben.“

„Ich werde es tun,“ sprach Ulenspiegel, „aber erst nach dem Nachtmahl.“

Sie trug ihm auf, was er verlangt hatte. Er aß und trank nach Herzenslust und hätte zum Dank für die Atzung die Alte schier umhalst, wären nicht seine vorigen Worte gewesen.

Derweil er aß, legte der Hund seine Pfoten auf seine Knie, um einen Knochen zu bekommen. Ulenspiegel gab ihm mehrere; dann sagte er zur Wirtin:

„Wenn einer bei Dir gegessen hätte und Dir nicht zahlte, was würdest Du da tun?“

„Ich würde dem Spitzbuben sein bestes Kleid fortnehmen“, antwortete die Alte.

„Es ist gut“, sprach Ulenspiegel. Dann nahm er den Hund unter den Arm und ging in den Stall. Allda sperrte er ihn mit einem Knochen ein, holte das Fell des Toten aus seinem Ranzen und kam zu der Alten zurück. Er fragte sie, ob sie gesagt hätte, daß sie dem, der ihr seine Mahlzeit nicht bezahlte, sein bestes Gewand fortnehmen würde.

„Ja“, antwortete sie.

„Wohlan, Dein Hund hat mit mir gespeist und hat mich nicht bezahlt, so hab ich ihm nach Deiner Vorschrift sein bestes und einziges Kleid ausgezogen.“