Und er zeigte ihr das Fell des toten Hundes.

„Ach,“ sprach die Alte weinend, „das ist grausam von Dir, Herr Arzt. Armes Hündlein! Es war für mich arme Wittfrau wie mein Kind. Weshalb raubtest Du mir den einzigen Freund, den ich in der Welt hatte? Jetzt will ich gern sterben.“

„Ich werde ihn auferwecken,“ sagte Ulenspiegel.

„Auferwecken!“ sprach sie. „Und er wird mir wieder schmeicheln, mich wiederum ansehen und mich lecken und mit dem armen, alten Schwänzlein wedeln, wenn er mich erblickt? Tut also, Herr Arzt, und Ihr sollt umsonst hier gespeist haben, eine teure Mahlzeit, und ich will Euch noch mehr denn einen Gülden obendrein geben.“ „Ich werde ihn ins Leben zurückrufen, aber dazu bedarf ich heißes Wasser, Sirup, um die Gelenke zu kleben, Nadel und Faden und geschmälzte Fleischbrühe. Und während der Operation will ich allein sein.“

Die Alte gab ihm, was er begehrte; er nahm das Fell des toten Hundes und begab sich in den Stall.

Dort beschmierte er das Maul des alten Hundes mit geschmälzter Brühe, der ließ es mit Behagen geschehen. Dann zog er ihm einen großen Sirupstreifen unter den Bauch und machte ihm Sirup an die Pfoten und Brühe an den Schwanz. Alsdann stieß er dreimal einen lauten Schrei aus und sagte darauf: „Steh auf, stehe auf, ich befehl’s, fauler Hund.“

Hurtig steckte er das Fell des toten Hundes in seinen Ranzen, gab dem lebenden einen gewaltigen Fußtritt und beförderte ihn so in die Herbergsstube.

Als die Alte sah, daß ihr Hund am Leben war und sich leckte, wollte sie ihn voll Freuden umhalsen; aber Ulenspiegel ließ es nicht zu.

„Du kannst diesen Hund“, sprach er, „nicht eher liebkosen, als bis er mit der Zunge allen Sirup abgeleckt hat, mit dem er bestrichen ist; erst dann werden die Nähte im Fell fest sein. Bezahle mir nunmehr meine zehn Gülden.“

„Ich hatte einen gesagt,“ antwortete die Alte.