„Einen für die Operation, neun für die Auferweckung“, erwiderte Ulenspiegel.

Sie zahlte sie ihm. Ulenspiegel machte sich davon, indem er das Fell des toten Hundes in die Wirtsstube warf und dazu sagte: „Da, Frau, behalte sein altes Fell, es kann Dir dienen, das neue auszuflicken, wenn es Löcher bekommt.“


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Am nämlichen Sonntag ward in Brügge die Prozession des Heiligen Blutes abgehalten. Klas sagte zu seinem Weib und Nele, sie möchten gehen sie anzusehen, und sie würden vielleicht Ulenspiegel in der Stadt finden. Was ihn anginge, sagte er, so würde er das Haus hüten, in Erwartung, daß der Pilger heimkehrte.

Die beiden Frauen gingen selbander fort. Klas, der in Damm zurückgeblieben war, setzte sich auf seine Türschwelle und fand das Städtlein gar verödet. Er vernahm nichts als den kristallenen Ton einer Dorfglocke, derweil der Wind ihm von Brügge stoßweise die Musik der Glockenspiele und ein großes Getöse von Böllern und Mörsern zutrug, so man zu Ehren des Heiligen Blutes abschoß.

In tiefem Sinnen spähte Klas auf den Wegen nach Ulenspiegel, doch erblickte er nichts denn den klaren, blauen, wolkenlosen Himmel, etliche Hunde, die mit hängender Zunge in der Sonne lagen, kecke Sperlinge, so zwitschernd im Staube sich badeten und eine Katze, die jene belauerte. Die Sonne drang freundlich in alle Häuser und ließ die Kupferkessel und Zinnhumpen auf den Anrichten erglänzen.

Aber Klas war traurig inmitten dieser Freude und spähte nach seinem Sohn. Er versuchte, ihn hinter dem grauen Nebel der Wiesen zu sehen, ihn in dem fröhlichem Rauschen der Blätter und dem lustigen Gesang der Vögel in den Bäumen zu hören. Plötzlich sah er auf dem Wege von Maldeghem einen Mann von hoher Gestalt und erkannte, daß es nicht Ulenspiegel war. Er sah ihn am Rande eines Mohrrübenackers still stehen und begierig von diesem Gemüse essen.

„Das ist ein Mann, der großen Hunger hat“, sprach Klas. Er hatte ihn einen Augenblick aus dem Gesicht verloren, sah ihn an der Ecke der Reiherstraße wieder auftauchen und erkannte in ihm den Boten von Jobst, welcher ihm die siebenhundert Goldkarolus gebracht hatte. Er ging zu ihm auf die Straße und sagte: