Sie brachten ihn in den Gemeindekerker, und Soetkin und Nele setzten sich auf die Schwelle. Da es Abend ward, sagte Soetkin zu Nele, sie solle sie lassen und sehen, ob Ulenspiegel nicht heimkehrte.
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Die Kunde verbreitete sich alsbald in den benachbarten Dörfern, daß man einen Mann um der Ketzerei willen eingekerkert hätte, und daß der Inquisitor Titelman, Dechant von Renaix, mit dem Beinamen der Herzlose, das Verhör leiten sollte. Zur selbigen Zeit lebte Ulenspiegel in Koolkerke und stand in Gunst und Gnaden bei einer artigen Bäuerin, einer gefälligen Wittib, die ihm nichts abschlug, was ihr zu eigen war. Ulenspiegel war dort guter Dinge, ward gehätschelt und geliebkost bis an den Tag, wo ein falscher Nebenbuhler, ein Schöffe der Gemeine, ihm beim Verlassen der Schenke auflauerte, um ihn durchzubläuen. Doch Ulenspiegel warf ihn in den Sumpf, damit er seinen Zorn abkühle, und der Schöffe kroch heraus, so gut er’s vermochte, grün wie eine Kröte und durchweicht wie ein Schwamm.
Für diese Heldentat mußte Ulenspiegel Koolkerke verlassen. Er rannte, so schnell seine Beine ihn trugen, nach Damm, denn er fürchtete die Rache des Schöffen.
Der Abend sank kühl herab. Ulenspiegel lief schnell, es verlangte ihn, daheim zu sein. Im Geiste sah er Nele nähen, Soetkin das Nachtmahl bereiten und Klas Reisigbündel schnüren, Schnuffius einen Knochen benagen und den Storch der Hausmutter auf den Bauch klopfen, um einige Brocken vom Essen abzubekommen.
Ein wandernder Hausierer sprach im Vorbeigehen zu ihm:
„Wohin so eilends?“
„Nach Damm, nach Haus“, antwortete Ulenspiegel.