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Am folgenden Morgen, dem Tage der Hinrichtung, kamen die Nachbarn und schlossen Ulenspiegel, Soetkin und Nele zusammen in Kathelines Hause ein. Aber sie hatten nicht bedacht, daß sie von fern das Geschrei des armen Sünders hören und durch die Fenster die Flamme des Holzstoßes sehen könnten.

Katheline irrte durch die Stadt, schüttelte den Kopf und sprach: „Macht ein Loch, die Seele will hinaus.“

Um die neunte Stunde ward Klas im Hemde, die Hände auf den Rücken gebunden, aus dem Gefängnis geführt. Dem Urteil gemäß war der Scheiterhaufen in der Straße der Frauenkirche aufgeschichtet, rings um einen Pfahl, der vor den Fenstergittern des Rathauses eingerammt war. Der Henker und seine Büttel waren noch nicht mit dem Aufschichten des Holzes fertig.

Klas wartete inmitten dieser Bluthunde geduldig, bis ihre Arbeit getan war, dieweil der Profos zu Pferde und die Schergen des Amtskreises und die neun Landsknechte, so von Brüssel herbeigerufen waren, nur mit großer Mühe das murrende Volk im Zaum halten konnten.

Alle sagten, daß es Grausamkeit wäre, also in seinen alten Tagen ungerechterweise einen armen, braven Mann zu morden, der so freundlich und barmherzig und so wacker bei der Arbeit gewesen.

Plötzlich knieten sie nieder und beteten; die Sterbeglocken der Frauenkirche läuteten.

Katheline stund auch in der Volksmenge in der ersten Reihe und war ganz irre. Sie blickte Klas und den Scheiterhaufen an und sagte kopfschüttelnd: