Und Klas küßte sie und drückte sie fest an seine Brust und sie weinte noch mehr, denn sie gedachte, daß sie bald seinen liebenden Schutz verlieren würde.

Klas sah Ulenspiegel an und sprach:

„Sohn, Du hast oft gesündigt, wenn Du Dich auf den Landstraßen herumtriebst, wie die bösen Buben tun. Du mußt es nicht mehr tun, mein Kind, noch die betrübte Witwe allein im Haus lassen; Du, der Mann, schuldest ihr Schutz und Schirm.“

„Vater, ich werde es tun“, sagte Ulenspiegel.

„Wehe, mein armer Mann“, sprach Soetkin und umarmte ihn. „Welch großes Verbrechen haben wir begangen? Wir lebten friedlich zu zweit ein ehrlich und bescheiden Leben und liebten uns innig, Herr Gott, Du weißt es. Wir standen frühe auf, um zu arbeiten, und am Abend, wenn wir das Dankgebet sprachen, aßen wir das Brot, so wir tags verdient hatten. Ich will zum König gehen und ihn mit meinen Nägeln zerfleischen. Herr Gott, wir waren nicht schuldig.“

Aber der Kerkermeister trat herein und sagte, daß sie gehen müßten. Soetkin verlangte zu bleiben. Klas fühlte, wie ihr armes Gesicht an dem seinen glühte, wie Soetkins Zähren in Strömen flossen und seine Wangen netzten, und wie ihr ganzer armer Körper in seinen Armen bebte und zitterte. Er bat, daß sie bei ihm bleiben möge.

Der Kerkermeister sagte nochmals, daß sie fort müßten, und zog Soetkin aus Klasens Armen.

Klas sprach zu Ulenspiegel:

„Wache über sie.“

Der antwortete, er würde es tun. Und Ulenspiegel und Soetkin gingen selbander fort und der Sohn stützte die Mutter.