Dieweil das Jahr gut gewesen, kaufte Klas für sieben Gülden einen Esel und neun Scheffel Erbsen und bestieg eines Morgens sein Reittier. Ulenspiegel saß hinten auf. In diesem Aufzuge wollten sie ihren Oheim und älteren Bruder Jobst Klas besuchen, der nicht fern von Meyborg in Deutschland wohnte.
Jobst war in jungen Jahren schlichten und sanften Sinnes gewesen, doch wunderlich geworden, nachdem er unterschiedliche Unbill erduldet. Sein Blut wandelte sich in schwarze Galle; er faßte einen Haß gegen die Menschen und lebte wie ein Einsiedel. Es war ihm jetzt eine Lust, zwei sogenannte getreue Freunde sich prügeln zu lassen, und er gab Dem drei Heller, der den andern am heftigsten durchgewalkt hatte. Auch liebte er es, die ältesten und zänkischesten Weiber in einem wohlgeheizten Saale in großer Zahl zu versammeln, und gab ihnen geröstetes Brot und Würzwein zu trinken. Solchen, die über sechzig alt waren, gab er Wolle in irgend einer Ecke zu stricken und empfahl ihnen überdies, ihre Nägel nur immer wachsen zu lassen. Und es war wundersam, das Gurgeln und Schnalzen der Zungen, das boshafte Geklätsch, das Husten und rauhe Ausspeien dieser alten Vogelscheuchen zu hören, welche, die Strickscheide unter der Achsel, gemeinsam die Ehre des Nächsten zerpflückten.
Wenn Jobst nun sah, daß sie recht im Zuge waren, warf er eine Bürste ins Feuer, und wenn sie brannte, war die Luft plötzlich voll Gestank. Alsbald schrieen die Weiblein alle mitsamt und ziehen einander, die Ursache des Gestankes zu sein. Da aber alle die Tatsache leugneten, packten sie sich bald bei den Haaren, und Jobst warf noch mehr Bürsten ins Feuer und geschnittene Roßhaare auf den Boden. Wenn er nichts mehr zu sehen vermochte, dieweil das Handgemenge so wütend, der Rauch so dicht war und den Staub aufwirbelte, so holte er zwei seiner Knechte, als Gemeinbüttel verkleidet; die trieben die Alten mit starken Gertenhieben aus dem Saale, gleich einer Herde wütender Gänse. Und Jobst, der das Schlachtfeld besichtigte, fand darauf Fetzen von Röcken, Schuhen und Hemden, auch alte Zähne. Und gar schwermütig sprach er zu sich: „Mein Tag ist verloren; keine unter ihnen hat im Handgemenge ihre Zunge eingebüßt“.
12
Als Klas das Weichbild von Meyborg erreichte, ritt er durch ein kleines Holz; der Esel fraß unterwegs Disteln und Ulenspiegel warf eine Kappe nach den Schmetterlingen und fing sie wieder auf, ohne den Rücken des Grautiers zu verlassen. Klas verspeiste eine Schnitte Brot und gedachte sie in der nächsten Schänke anzufeuchten. Da hörte er von fern ein Glöcklein erklingen und den Lärm vieler Menschen, die mit einander sprachen. „Das ist irgend eine Wallfahrt,“ sprach er, „und die Herren Pilger sind ohne Zweifel reich an Zahl. Halte Dich fest auf dem Langohr, auf daß sie Dich nicht herunterreißen. Wir wollen es uns besehen. Holla, Grauer, spüre meine Fersen!“
Und der Esel lief hurtig.
Er ließ das Gehölz hinter sich und kam in eine weite Ebene hinab, die gen Westen ein Fluß begrenzte. Gen Osten war eine kleine Kapelle erbaut; auf ihrem Giebel ragte ein Bild unserer lieben Frauen; zu ihren Füßen aber stunden zwei kleine Figuren, die beide eines Stieres Bild nachahmten. Auf den Stufen der Kapelle standen lachend ein Eremit, der die Glocke läutete, fünfzig Burschen, die jeder eine brennende Kerze trugen, sowie Spieler, Bläser und Schläger von Trommeln, Trompeten und Pfeifen, Schalmeyen und Dudelsäcken und ein Häuflein lustiger Gesellen, die mit beiden Händen eiserne Kästen voll alten Eisens hielten; doch alle waren in jenem Augenblicke still.