Aber Soetkin blickte ihn mit weit offnen Augen an, die denen einer Dahingeschiedenen glichen. Und er merkte, daß er nicht sprechen dürfe, und weinte, ohne ein Wort zu sagen.

Aber der Amtmann sagte darauf:

„Da dieses Weib mit der Festigkeit eines Mannes begabt ist, so muß ihr Mut vor der Tortur ihres Sohnes auf die Probe gestellt werden.“

Soetkin hörte nicht, denn sie war ohnmächtig ob des großen Schmerzes, den sie erlitten.

Mit viel Essig ward sie wieder zu sich gebracht. Dann ward Ulenspiegel entkleidet und nackend vor die Augen der Witwe gestellt. Der Henker schor ihm das Haupthaar und alles Haar ab, um zu sehen, ob er nicht ein Teufelsmal habe. Dabei ward er des schwarzen Pünktleins auf dem Rücken gewahr, so Ulenspiegel seit der Geburt an sich trug. Er stach zu unterschiedlichen Malen eine lange Nadel hinein; aber da Blut herauskam, erkannte er, daß in diesem Pünktlein keinerlei Zauberei sei. Auf Befehl des Amtmanns wurden Ulenspiegels Hände an zwei Stricke gebunden, so über eine an der Decke befestigte Rolle liefen, also daß der Henker ihn nach Belieben der Richter hochziehen und herunterlassen konnte, indem er ihn heftig schüttelte. Solches tat er an die neun Male, nachdem er ihm an jedes Bein ein Gewicht von fünfundzwanzig Pfund gehängt hatte.

Beim neunten Stoß zerriß die Haut der Handgelenke und Fußknöchel, und die Knochen der Beine traten aus ihren Gelenken.

„Bekenne“, sagte der Amtmann.

„Nein“, antwortete Ulenspiegel.

Soetkin blickte ihren Sohn an und fand nicht Kraft zu schreien noch zu sprechen; sie streckte nur die Arme aus und bewegte ihre blutenden Hände und bezeigte durch diese Gebärde, daß man dieser Marter ein Ende machen solle.

Der Henker zog Ulenspiegel abermals hinauf und hinunter. Und die Haut der Fußknöchel und Handgelenke zerriß stärker und die Knochen der Beine traten noch weiter aus ihren Gelenken; aber er schrie nicht.