„Seid bedankt, Ihr Herren Richter“, sagte Soetkin.

„Der Fischhändler“, ächzte Ulenspiegel.

Und Mutter und Sohn wurden in einem Karren zu Katheline gebracht.


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Im selbigen Jahre, dem achtundzwanzigsten des Jahrhunderts, trat Katheline zu Soetkin ins Gemach und sprach:

„Verwichene Nacht, da ich mich mit Balsam gesalbt hatte, ward ich auf den Turm der Frauenkirche versetzt. Ich sah die Geister der Elemente, die Gebete der Menschen den Engeln zutragen, welche sie hinwiederum nach dem hohen Himmel zum Throne emportrugen. Und der Himmel war ganz übersät mit strahlenden Sternen. Plötzlich erhob sich von einem Scheiterhaufen eine Gestalt, die mich schwarz dünkte, und schwebte hinauf und setzte sich neben mich auf den Turm. Ich erkannte Klas, so wie er im Leben war, mit seinem Kohlenträgerkittel angetan. „Was machst Du auf dem Turme der Frauenkirche?“ sagte er zu mir. „Aber wohin gehst Du, der Du wie ein Vogel in den Lüften fliegst?“ fragte ich dagegen. „Ich gehe zum Gericht“, sagte er. „Hörst Du nicht die Posaune des Gerichts?“ Ich stand ganz nahe bei ihm und fühlte, daß seine Geistergestalt nicht hart war wie der Körper der Lebendigen, sondern so zart, daß ich in ihn eindrang wie in heißen Dampf, da ich ihm nahe rückte. Zu meinen Füßen durch das ganze Land Flandern erglänzten etliche Lichter, und ich sagte zu mir selbst: Die da frühe aufstehen und spät schaffen, sind die Gesegneten des Herrn.

Und immerda hörte ich in der Nacht die Posaune des Engels ertönen. Und alsbald sah ich einen andern Schatten aufsteigen, so aus Spanien kam; selbiger war alt und abgelebt, hatte ein Kinn wie ein Holzschuh und Quittenmus an den Lippen.

Er trug einen karmesinroten Sammetmantel, mit Hermelin gefüttert, eine Kaiserkrone und in der einen Hand eine Anschovis, die er knabberte, in der andern einen vollen Bierhumpen.