Er nahete dem Thron und sprach zu Christo:

„Ich bin Dein Sklave, bis daß ich Dein Herr sein werde.“

„Satan,“ sagte Maria, „ein Tag wird kommen, wo es weder Sklaven noch Herren gibt und wo Christus, welcher die Liebe, und Satan, welcher der Stolz ist, bedeuten werden: Kraft und Wissen.“

„Weib, Du bist gut und schön“, sprach Satan.

Dann zu Christo redend und auf den Kaiser deutend, sprach er: „Was soll mit diesem hier geschehen?“

Christus antwortete:

„Du sollst das gekrönte Gewürm in ein Gemach bringen, darinnen Du alle Folterwerkzeuge, so unter seiner Regierung im Gebrauch waren, zusammenträgst. Jedesmal, wenn ein unschuldiger Unglücklicher die Wasserfolter erleidet, welche die Menschen aufbläht wie Blasen, die Kerzenfolter, welche die Fußsohlen und Achselhöhlen verbrennt, den Wippgalgen, welcher die Glieder zerbricht, das Zerreißen durch vier Pferde; jedesmal, wenn eine freie Seele auf dem Scheiterhaufen ihren letzten Atem aushaucht, soll er eins nach dem andren diese Tode und Foltern erdulden. Er soll innewerden, wieviel Böses ein Ungerechter, der über Millionen gebeut, tun kann. Möge er in den Gefängnissen verfaulen, auf den Schafotten sterben, in der Verbannung, fern vom Vaterland, stöhnen; möge er beschimpft, verunglimpft, gestäupet werden. Er möge reich sein und der Fiskus von ihm zehren; der Angeber soll ihn verklagen und die Konfiskation soll ihn zugrunde richten. Du sollst ihn in einen Esel verwandeln, auf daß er sanftmütig, mißhandelt und schlecht genährt sei; in einen Armen, auf daß er um Almosen bitte und mit Schimpfworten begrüßt werde; in einen Arbeiter, auf daß er zuviel arbeite und nicht genug esse. Wenn er alsdann an Leib und Seele genugsam gelitten hat, so sollst Du ihn zum Hunde machen, auf daß er gut sei und Prügel empfahe; zu einem Sklaven in Indien, der öffentlich versteigert wird; zu einem Soldaten, damit er sich für einen andern schlage und sich töten lasse, ohne zu wissen warum. Und wenn er nach Verlauf von dreihundert Jahren alle Leiden, alles Elend erschöpft haben wird, sollst Du ihn zum freien Menschen machen. Wenn er in diesem Stande gut wie Klas ist, sollst Du seinen Leichnam in einem Erdenwinkel, der um Mittag schattig ist und am Morgen von der Sonne beschienen wird, unter einem schönen Baum mit frischem Rasen bedecken und ihm die ewige Ruhe geben. Und seine Freunde werden kommen und auf seinem Grabe bittere Tränen vergießen und Veilchen säen, die Blumen der Erinnerung.“

„Gnade, mein Sohn,“ sprach Maria, „er wußte nicht, was er tat, denn Macht verhärtet das Herz.“

„Hier ist keine Gnade“, sagte Christus.

„Ach,“ sprach Seine Heilige Majestät, „wenn ich nur ein Glas andalusischen Weines hätte!“