Ulenspiegel antwortete nicht.

„Ihr sahet sie nicht auf den Straßen mit einem Wams und einem grauen Oberkleid, wie das Volk es trägt, mit langen, hängenden Aermeln und Mönchskapuzen und auf all den grauen Oberkleidern die gestickte Narrenkappe. Ich habe ihrer zum mindesten siebenundzwanzig gemacht und mein Töchterlein fünfzehn. Das erboste den Roten Hund, diese Kappen zu sehen.“

Dann flüsterte sie Ulenspiegel ins Ohr:

„Ich weiß, daß die Herren beschlossen haben, die Kappe durch ein Aehrenbündel zu ersetzen, zum Zeichen der Einigkeit. Ja, ja sie wollen wider König und Inquisition kämpfen. Sie tun wohl daran, nicht so, Herr?“

Ulenspiegel antwortete nicht.

„Der fremde Herr braut Trübsal,“ sagte die Alte. „Sein Schnabel ist mit einem Mal zu.“

Ulenspiegel ließ kein Wort fallen und ging.

Alsbald kehrte er in eine Musikschenke ein, um das Trinken nicht zu vergessen. Die Schenke war voll von Zechern, die sprachen ohne alle Fürsicht vom König, den verhaßten Dekreten, der Inquisition und dem Roten Hund, so gezwungen werden müßte, das Land zu verlassen. Da sah er die Alte ganz zerlumpt und dem Anschein nach schlafend bei einem Schöpplein Branntwein. Also verharrte sie eine lange Weile, dann zog sie einen kleinen Teller aus ihrer Tasche, und er sah sie unter den Zechern betteln, sonderlich bei denen, so am unfürsichtigsten redeten.

Und die guten Tröpfe gaben ihr Gülden, Heller und Pfennige, ohne zu knausern.

Ulenspiegel, verhoffend, daß er von dem Mägdlein erfahren würde, was ihm die alte Potztausend nicht sagte, ging wiederum vor das Haus und erblickte das Mägdlein, das nicht mehr rief, sondern ihm zulächelte und süß verheißend mit den Augen zwinkerte.