„Dies Singen,“ sagte er „diese stummen Rufe der Schönheit für verliebte Männer?“ ...
„Ja“, sprach sie. „Meine Mutter wollt’ es so. Dich rette ich, denn ich liebe Dich inniglich. Die andern werde ich Dir zum Andenken retten, mein Geliebter. Wenn du ferne sein wirst, wird dich dein Herz zu dem reuigen Mädchen ziehen? Küß mich, Herzliebster. Es wird nimmermehr um Geld Opfer zum Scheiterhaufen liefern. Geh; nein, verweile noch. Wie weich deine Hand ist. Halt, ich küsse deine Hand, das ist das Zeichen der Knechtschaft. Du bist mein Herr. Horch, komm näher, aber schweige. Diese Nacht sind Männer ins Haus gekommen, Lumpen und Spitzbuben, einer nach dem andern, und unter ihnen ein Italiener. Meine Mutter hieß sie, in das Gemach eintreten, in dem du jetzo bist, befahl mir herauszugehen und schloß die Türe. Ich hörte diese Worte „Steinernes Kruzifix, Tor von Borgerhout, Prozession, Antwerpen, Unsere liebe Frau ...“ ersticktes Gelächter und das Klimpern von Gülden, so auf den Tisch gezählt wurden. ... Flieh, da sind sie; flieh, mein Geliebter. Halt mich in liebem Gedenken; flieh!“ ...
Ulenspiegel lief, wie sie ihn hieß, bis „In den ouden Haen“ und fand allda Lamm, welcher Trübsal braute, eine Wurst knabberte und seine siebente Kanne Löwener Peterman schlürfte.
Und er zwang ihn, gleich ihm zu laufen, ohngeachtet seines Bauches.
9
Dieweil er so im Schnelltrabe rannte und Lamm hintendrein, fand er in der Eikenstraat ein boshaftes Pasquill gegen Brederode. Er brachte es ihm geradenwegs.
„Euer Gnaden,“ sagte er, „ich bin jener gute Vlämländer und jener Spion des Königs, dem Ihr so trefflich die Ohren riebt und dem Ihr so guten Glühwein zu trinken gabt. Er bringt Euch ein artiges, kleines Pamphlet, in dem man Euch unter anderm beschuldigt, Euch Graf von Holland zu titulieren wie der König. Es kommt frisch aus der Druckerpresse von Jan Lügenbold, der am Damm der Taugenichtse in der Sackgasse der Ehrabschneider wohnt.“
Brederode erwiderte ihm mit Lächeln: