„Ei, sind es nicht schöne Prediger, daß Ihr so in Haufen zu Ihnen gehet, die Lügen anzuhören, die sie ausspeien, daß Eure Töchter des Nachts zu ihren Predigten gehen, auf daß in neun Monden die Stadt voll kleiner Geusen und Geusinnen sei? Es waren ihrer vier, vier schändliche Taugenichtse, so auf dem Kirchhof gepredigt haben. Der erste dieser Hallunken, bleich und mager, trug einen schmutzigen Hut auf dem Kopfe. Dank dem Hut sah man seine Ohren nicht. Wer unter Euch hat die Ohren eines der Prediger gesehen? Er war ohne Hemd, denn seine bloßen Arme schauten ohne Linnen aus dem Wams heraus. Ich hab es wohl gesehen, ohngeachtet er sich mit einem schmutzigen Mäntelchen bedecken wollte, und in seinen Hosen von schwarzem Leinen und durchscheinend wie die Turmspitze von Unsrer lieben Frau zu Antwerpen, sah ich seine Naturglocken und seinen Klöppel. Der andere böse Bube predigte im Wams ohne Schuhe. Keiner hat seine Ohren gesehen. Er mußte in seinem Gepredige innehalten, und die Knaben und Mägdlein höhnten ihn und schrien: „Huh, huh, er weiß seine Lektion nicht.“ Der dritte dieser schändlichen Buben trug ein schmutziges Hütlein mit einer winzigen Feder darauf. Seine Ohren waren auch nicht zu sehen. Der vierte Taugenichts, Hermanus, der besser ausstaffiert war als die andern, muß an der Schulter zweimal durch den Henker gebrandmarkt sein, jawohl.

„Sie tragen alle unter ihrem Hut schmierige, seidene Mützen, so ihre Ohren verbergen. Sahet Ihr die Ohren eines der Prediger? Wer von diesen Lumpen wagte seine Ohren zu zeigen? Ohren, ha, ha, seine Ohren zeigen: sie sind ihnen abgeschnitten. Jawohl, der Henker hat ihnen allen die Ohren abgeschnitten. Und doch scharte sich der Pöbel um die schändlichen Schufte, diese Beutelschneider, diese Schuhflicker, die von ihren Schemeln weggelaufen sind, diese predigenden Lumpen, und rief: „Es lebe der Geuse!“ gleich als wären sie allzumal rasend, trunken oder toll gewesen.

„Wehe! Uns armen, römischen Katholiken bleibt nichts denn die Niederlande zu verlassen, sintemalen man hier das Geschrei duldet: „Es lebe der Geuse! Es lebe der Geuse.“ Welch ein verwünschter Mühlstein ist diesem verhexten und dummen Volk auf den Kopf gefallen, oh Jesus! Reich und Arm, Adlig und Unadlig, Jung und Alt, Männer und Frauen schreien: „Es lebe der Geuse“!

„Und was sind diese Herren, all diese schäbigen Lederhosen, so uns von Deutschland gekommen sind? All ihr Hab’ und Gut ist zu den Dirnen gegangen, in Krimpelspiel, Schleckereien, Gelagen, Völlerei, Ausschweifung und mancherlei Schändlichkeit, Götzendienst der Würfel und Triumph der Putzsucht. Sie haben nicht einen verrosteten Nagel, sich zu kratzen, wo es sie juckt. Darum brauchen sie die Güter der Kirchen und Klöster.

„Und auf ihrem Bankett bei dem Schelm von Kuilenburg mit dem andern Schelm von Brederode haben sie aus hölzernen Näpfen getrunken, Herrn von Berlaymont und Ihro Gnaden der Frau Regentin zum Trotz. Jawohl, und haben gerufen: „Es lebe der Geuse!“ Ach, wenn ich der liebe Gott währe, ich hätte, mit Respekt zu vermelden, ihr Getränk, ob Bier oder Wein, in ein schmutziges, abscheuliches Spülicht verwandelt, ja in schmutziges, scheußliches, stinkendes Waschwasser, darin sie ihre kotigen Hemden und Laken gewaschen hätten.

„Ja, schreit, Ihr Esel, die Ihr seid, schreit nur: „Es lebe der Geuse!“ Ich bin ein Prophet. Und alle Verwünschungen, alle Not, Fieber, Pestilenz, Brand, Trümmer, Verwüstung, Krebs, englisches Schweißfieber und schwarzer Tod werden über die Niederlande kommen. Und also wird Gott für Euer ekles Geplärr: „Es lebe der Geuse!“ gerächt werden. Und von Euren Häusern wird nicht ein Stein auf dem andern bleiben und nicht ein Stück Knochen von Euren verdammten Beinen, die zu dieser verfluchten Calvinisterei und Predigerei laufen. Also geschehe es, geschehe es, geschehe es, Amen.“

„Laß uns gehen, mein Sohn“, sprach Ulenspiegel zu Lamm.

„Sogleich“, sagte Lamm.

Und er suchte seine Frau unter den jungen, schönen, andächtigen Frauen, die der Predigt beiwohnten, aber er fand sie nicht.