„Meine Freunde,“ entgegnete Ulenspiegel, „ich bin nicht närrisch, sondern reuevoll und ausgehungert; denn während mein Geist seine Sünden beweint, beweint mein Bauch den Mangel an Fleisch. Ihr glücklichen Soldaten und Ihr schönen Mägdlein, ich sehe da bei Euch fetten Schinken, Gans, Würste, Wein, Bier und Kuchen. Wolltet Ihr dem Pilger nichts geben?“
„Ja, ja,“ sagten die vlämischen Soldaten, „er hat ein gutes Gesicht, dieser Prediger.“
Und alle warfen ihm Bissen zu wie Bälle. Ulenspiegel hörte nicht auf zu reden und aß, auf dem Aste reitend.
„Der Hunger“, sprach er, „macht den Menschen hart und zum Gebet untauglich, aber der Schinken verscheucht sogleich diese üble Laune“.
„Achtung, der Kopf wird gespalten“, rief ein Feldwaibel und warf ihm eine halbvolle Flasche zu.
Ulenspiegel fing sie im Fluge auf, trank kleine Schlucke und sprach: „So wie der scharfe, wütende Hunger für den elenden Körper des Menschen ein schädlich Ding ist, so gibt es noch ein anderes nicht minder verderbliches Ding. Was ist die Angst eines armen Pilgers, welchem hochherzige Soldaten eine Schnitte Schinken und eine Flasche Bier gegeben haben? Denn der Pilger ist gemeiniglich nüchtern, und so er mit so geringer Nahrung im Magen tränke, würde er flugs trunken sein.“
Wie er so sprach, fing er abermals im Flug eine Gänsekäule auf.
„Das ist ein wundersam Ding,“ sagte er, „in der Luft Wiesenfische zu fischen. Doch dieser ist mitsamt dem Beine verschwunden. Was ist gieriger als trockner Sand? Ein unfruchtbar Weib und ein ausgehungerter Magen.“
Plötzlich fühlte er, daß eine Hellebardenspitze ihn ins Gesäß stach. Und er hörte einen Fähndrich sagen:
„Verschmähen die Pilger jetzo eine Hammelkeule?“