„Ja,“ versetzte Ulenspiegel, „aber übermorgen ist die Prozession. Die Arbeiter werden bald in die Kirche kommen. Fürchtet Ihr nicht, der Bilderzerstörung angeklagt zu werden, wenn sie hier all die armen Heiligen verstümmelt sehen?“

„Ach, Heiliger Märten“, sagte der Propst, „erspare mir das Feuer, ich wußte nicht, was ich tat.“

Dann wandte er sich an Ulenspiegel, derweil der furchtsame Glöckner sich an den Glocken schaukelte.

„Man wird den Heiligen Martin nimmermehr von jetzt bis auf den Sonntag ausbessern können,“ sagte er. „Was soll ich tun, und was wird das Volk sagen?“

„Herr“, antwortete Ulenspiegel, „man muß zu einer unschuldigen Ausflucht greifen. Wir kleben Pompilius einen Bart aufs Gesicht, das gar ehrwürdig ist, maßen es allzeit melancholisch ist, vermummen ihn mit Mitra, Meßgewand und Chormütze und dem großen Mantel des Heiligen und empfehlen ihm an, gut auf seinem Sockel zu stehen; so wird das Volk ihn für den Heiligen Martin aus Holz halten.“

Der Propst ging zu Pompilius, der sich an den Stricken schaukelte.

„Hör auf zu läuten,“ sagte er, „und hör mich an. Willst Du fünfzehn Dukaten verdienen? Am Sonntag, dem Tage der Prozession, sollst Du der Heilige Martin sein. Ulenspiegel wird Dich ausstaffieren, wie es sich gehört, und sofern Du, während Deine vier Männer Dich tragen, eine Bewegung machst oder ein Wort sagst, laß ich Dich bei lebendigem Leib in dem Öl des großen Kessels sieden, den der Henker just auf dem Hallenplatz aufgemauert hat.“

„Ich werde gehorchen, Euer Gnaden,“ sprach Pompilius gar kläglich.


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