„Er tut noch ganz andere Dinge, Herr Propst,“ sagte Ulenspiegel, „aber kommt.“
Der Propst nahm sein Kruzifix und folgte ihnen. Sie traten in die Kirche.
Allda sah er inmitten des Hauptschiffes alle Heiligen aus ihren Nischen herabgestiegen und im Kreise aufgestellt und von Sankt Märten, der sie alle um Haupteslänge überragte, schier kommandiert. An seinem zum Segen ausgestreckten Zeigefinger hielt er einen gebratenen Truthahn. Die andern hielten Stücke von Hühnern oder Gänsen, Würste, Schinken, rohen und gesottenen Fisch in der Hand oder führten sie zum Munde, unter anderm einen Hecht, der gut seine vierzehn Pfund wog. Und ein jeder hatte eine Flasche Wein zu seinen Füßen.
Bei diesem Anblick konnte der Propst sich vor Zorn nicht halten. Er ward so rot und sein Antlitz so geschwollen, daß Ulenspiegel und Pompilius vermeinten, er werde platzen. Aber der Propst ging, ohne ihrer zu achten, gerade auf den heiligen Märten zu, indem er ihn bedräuete, gleich als wollte er ihm die Missetat der andern zur Last legen. Er riß ihm den Truthahn vom Finger und bläute ihn so wacker durch, daß er ihm Arm, Nase, Kreuz und Mitra zerbrach.
Was die andern angeht, so sparte er ihnen keine Püffe, und mehr als einer verlor unter seinen Schlägen Arme, Hände, Mitra, Kreuz, Beil, Rost, Säge und andere Sinnbilder der Würde und des Martertodes. Alsdann machte der Propst sich mit wackelndem Bauche selbsteigen daran, die Kerzen hurtig und wütend auszulöschen. An Schinken, Geflügel und Würsten raffte er an sich, soviel er vermochte, und unter der Last schier erliegend, ging er wieder in sein Schlafgemach, dermaßen betrübt und ergrimmt, daß er Zug auf Zug drei große Flaschen Wein trank.
Nachdem Ulenspiegel sich versichert hatte, daß er schlief, trug er alles, was der Propst gerettet zu haben vermeinte, in die Ketelstraet, desgleichen alles, was in der Kirche blieb, aber nicht, ohne zuvor die besten Bissen dortselbst verspeist zu haben. Und den Abfall legten sie zu Füßen der Heiligen.
Am anderen Morgen läutete Pompilius die Glocke zur Frühmette, und Ulenspiegel stieg zum Schlafgemach des Propstes hinan, mit der Bitte, in die Kirche hinunterzukommen.
Allda wies er ihm die Reste der Heiligen und des Geflügels und sprach zu ihm:
„Herr Propst, es hat Euch nichts genutzt, sie haben trotz allem gegessen.“
„Ja,“ erwiderte der Propst, „sie sind wie Diebe bis ins Schlafgemach gedrungen, um zu nehmen, was ich in Sicherheit gebracht hatte. O, Ihr hohen Heiligen, ich werde mich beim Papst darüber beschweren.“