Doch siehe, auf einmal standen alle, Armbrust- und Bogenschützen, Domherren, Priester, Dechant und Träger des Heiligen Martin still, um sich zu kratzen. Das Pulver juckte Pompilius an den Fußsohlen, doch er wagte nicht sich zu rühren, aus Furcht zu fallen.

Er bewunderte und lobte die blinkenden Waffen der Armbruster und die furchtbaren Bogen der Bruderschaft der Bogenschützen.

Und die Fürwitzigen sagten, daß der Heilige Martin die Augen gar wild rolle und dem armen Volk eine dräuende Miene mache. Dann hieß der Dechant die Prozession weiterziehen. Die heiße Sonne, die senkrecht auf all die Rücken und Bäuche in der Prozession fiel, machte alsbald die Wirkung des Pulvers unerträglich. Und nun sah man Priester und Schützen, Domherren und Dechant wie eine Schar von Affen stillhalten und sich ohne Scham überall kratzen, wo es sie juckte.

Die Marienkinder sangen ihre Hymne und alle diese frischen, gen Himmel steigenden Stimmen waren wie Engelchöre.

Übrigens machten sich alle davon, wohin sie konnten. Der Dechant brachte, sich kratzend, das Heilige Sakrament in Sicherheit; das fromme Volk trug die Reliquien in die Kirche. Die vier Träger des Heiligen Martin warfen Pompilius derb auf die Erde. Der arme Glöckner, der nicht wagte, sich zu kratzen, zu bewegen, noch zu sprechen, schloß fromm die Augen.

Zwei junge Bürschlein wollten ihn fortschaffen, doch da sie ihn zu schwer befanden, stellten sie ihn aufrecht an eine Mauer, und da weinte Pompilius dicke Tränen.

Das Volk versammelte sich um ihn. Die Frauen hatten Sacktüchlein von feinem, weißen Linnen geholt und wischten ihm das Antlitz, um seine Zähren wie Reliquien zu bewahren. Sie sprachen zu ihm: „Euer Gnaden, wie schwitzt Ihr.“

Der Glöckner blickte sie jämmerlich an und schnitt wider Willen Grimassen.

Doch da die Zähren in Strömen aus seinen Augen flossen, sprachen die Frauen:

„Großer Sankt Martin, weinet Ihr über die Sünden der Stadt Ypern? Rührt sich nicht Eure edle Nase? Wir haben trotzdem die Ratschläge von Louis Vivès befolgt, und die Armen von Ypern haben zu arbeiten und zu essen. O, die großen Tränen! Das sind Perlen. Hier ist unser Heil.“