„Bereit“, wiederholte Ulenspiegel, „bereit wozu? Geschlagen zu werden? Nein, das bin ich nicht und will es nicht sein, Herr Stockmeister. Euer Bart ist rot, und Eure Miene furchtbar; doch ich bin gewiß, Ihr habt ein weiches Herz und liebt es nicht, einen armen Menschen, wie mich, lendenlahm zu machen. Ich muß es Euch sagen, ich mag es nicht sehen noch tun; denn eines Christen Rücken ist ein geweihter Tempel, der, gleich wie die Brust, die Lungen einschließt, durch die wir die liebe Gottesluft einatmen. Von wie nagenden Gewissensbissen würdet Ihr verzehrt werden, dafern ein roher Stockhieb sie mir in Stücke risse.“
„Spute Dich,“ sagte der Stockmeister.
„Euer Gnaden,“ sagte Ulenspiegel zum Prinzen, „es eilt nicht, glaubet mir. Man müßte zuerst diesen Knüttel trocknen lassen, denn man sagt, daß das grüne Holz beim Eindringen in das lebendige Fleisch ihm ein tödliches Gift zuführt. Möchte Eure Hoheit mich dieses häßlichen Todes sterben sehen? Euer Gnaden, ich halte meinen getreuen Rücken zu Eurer Hoheit Diensten; lasset ihn mit Ruten schlagen, mit der Peitsche geißeln. Aber so Ihr mich nicht tot sehen wollt, ersparet mir das grüne Holz, wenn es Euch beliebt.“
„Prinz, begnadigt ihn,“ sagten Herr von Hoogstraten und Dietrich von Schoonenbergh. Die andern lächelten voll Mitleids.
Auch Lamm sagte: „Hoher Herr, begnadigt ihn; das grüne Holz ist reines Gift.“
Darauf sprach der Prinz: „Ich begnadige ihn.“
Ulenspiegel sprang unterschiedliche Male in die Luft, schlug Lamm auf den Bauch, und indem er ihn zu tanzen zwang, sagte er:
„Preise Seine Gnaden mit mir, der mich vom grünen Holz errettet hat.“
Und Lamm versuchte zu tanzen, doch er vermochte es nicht, seines Bauches halber.
Und Ulenspiegel traktierte ihn mit Essen und Trinken.