Darauf redete der Schweiger und sprach:

„Dieser Scharfschütze soll in meiner Gegenwart fünfzig mit grünem Holz aufgezählt bekommen, maßen er ohne Befehl zwei Edelleute getötet hat, mit dreister Hintansetzung jeglicher Mannszucht. Desgleichen soll er dreißig Gülden haben, weil er gut gesehen und gehört hat.“

„Euer Gnaden,“ versetzte Ulenspiegel, „so man mir erstlich die dreißig Gülden gäbe, würde ich die Schläge mit grünem Holz mit Geduld ertragen.“

„Ja, ja,“ stöhnte Lamm Goedzak, „gebet ihm zuvor die dreißig Gülden, das Übrige wird er mit Geduld ertragen.“

„Und dann,“ sagte Ulenspiegel, „da meine Seele rein ist, habe ich nicht nötig, mit ungebrannter Asche gelaugt und mit Kirschholz gebläut zu werden.“

„Ja,“ stöhnte Lamm Goedzak wiederum, „Ulenspiegel hat nicht nötig, gelaugt und gebläut zu werden. Seine Seele ist rein. Wascht ihn nicht, Ihr Herren, wascht ihn nicht.“

Da Ulenspiegel die dreißig Gülden empfangen hatte, ward dem Stockmeister vom Profos befohlen, sich seiner zu bemächtigen.

„Sehet, Ihr Herren,“ sprach Lamm, „wie kläglich seine Miene ist. Er liebt das Holz mit nichten, mein Freund Ulenspiegel.“

„Ich liebe eine schöne dichtbelaubte Esche zu sehen,“ entgegnete Ulenspiegel, „die in ursprünglicher Jugendkraft in der Sonne wächst. Aber auf den Tod hasse ich diese üblen Holzknüttel, die noch ihren Saft ausbluten, die ohne Äste, Blätter und Zweige sind. Sie sind von wildem Aussehen und rauhen Sitten.“

„Bist Du bereit?“ fragte der Profos.