„Laß uns auf das Schiff gehen,“ sagte Lamm, „sie sollen sehen, ob ich Angst habe.“

Bei diesen Worten ward er abermals verhöhnt, und Ulenspiegel sagte:

„Laß uns auf das Schiff gehen.“

Nachdem sie von ihren Eseln gestiegen, warfen sie dem Jungen die Zügel zu. Selbiger streichelte die Grautiere freundschaftlich und führte sie dahin, wo er Disteln sah.

Alsdann nahm Ulenspiegel den Bootshaken, hieß Lamm in das Boot steigen, steuerte auf das Schiff zu und erkletterte es mit Hilfe eines Taus hinter dem schwitzenden, schnaufenden Lamm.

Als sie auf dem Deck des Boots waren, bückte Ulenspiegel sich, als wolle er seine Schuhe schnüren, und sprach etliche Worte zu dem Schiffer. Der lächelte und blickte Lamm an. Dann stieß er tausend Schimpfworte aus, schalt ihn einen, von sträflichem Fett aufgedunsenen Taugenicht, eine Galgenfrucht, einen Breifresser und sagte zu ihm: „Dicker Walfisch, wieviel Tonnen Oel gibst Du, wenn man Dich zur Ader lässet?“

Unversehens stürzte Lamm, ohne zu antworten, wie ein wütender Ochs auf ihn los, warf ihn zu Boden und prügelte ihn mit aller Kraft, tat ihm aber wegen der Schwachheit seiner fetten Arme nicht sehr wehe. Der Schiffer, wiewohl er sich stellte, als wehre er sich, ließ sich’s gefallen, und Ulenspiegel sagte: „Dieser Taugenichts soll uns zur Strafe frei halten.“

Die Männer, Weiber und Kinder, so vom Ufer aus dem Kampfe zuschauten, sprachen: „Wer hätte geglaubt, daß dieser Dicke so hitzig wäre!“

Und sie klatschten in die Hände, derweil Lamm wie ein Besessener zuschlug. Aber der Schiffer trug nur Sorge, sein Gesicht zu schützen. Plötzlich sah man Lamm, wie er, mit dem Knie auf der Brust des starken Pier, ihn mit der einen Hand bei der Kehle packte und die andere erhob, um zuzuschlagen.

„Schrei um Gnade,“ rief er wütend, „oder ich werde Dich durch die Planken Deines Waschkübels drücken!“