Der Junge setzte sich ans Steuerruder.
Als sie hinunterstiegen, sahen sie überall Säcke mit Korn, Bohnen, Erbsen, Kohl, Mohrrüben und andern Gemüsen. Dann öffnete der Schiffer die Tür einer kleinen Schmiede und sprach:
„Sintemalen Ihr Männer mit tapferem Herzen seid, so den Sang der Lerche, des Vogels der Freien, den kriegerischen Trompetenton des Hahnes und das Schreien des Esels, des sanftmütigen Arbeiters kennen, so will ich Euch meine Kriegsküche zeigen. Diese kleine Schmiede werdet Ihr auf den meisten Maas-Schiffen finden. Niemand kann sie für verdächtig halten, denn sie dient dazu, das Eisenwerk der Schiffe wieder in Stand zu setzen. Doch was nicht alle besitzen, das sind die schönen Gemüse, die in diesen Speichern sind.“
Dann nahm er etliche Steine fort, die den Boden des Schiffsraums bedeckten, hob etliche Planken auf und zog ein schönes Bündel von Flintenläufen und Büchsen hervor, hob es auf, als wäre es eine Feder, und legte es wiederum an seinen Platz. Dann zeigte er ihnen Lanzenspitzen, Hellebarden, Degenklingen und Säcklein mit Kugeln und Pulver.
„Es lebe der Geuse,“ sprach er, „hier sind die Bohnen und die Brühe. Die Kolben sind die Hammelkeulen, die Salate sind die Hellebardenspitzen und diese Büchsenläufe sind die Ochsenbeine für die Suppe der Freiheit. Es lebe der Geuse! Wohin soll ich dies Futter bringen?“ fragte er Ulenspiegel.
Ulenspiegel antwortete:
„Nach Nymwegen. Dort wirst Du Dein Schiff anlegen, noch mehr beladen mit wirklichen Gemüsen, so Dir die Bauern, die Du in Etsen, Stephansweert und Ruvemarde aufnehmen wirst, bringen. Auch sie werden wie die Lerche, der Vogel der Freiheit, singen, und Du wirst ihnen mit kriegerischen Hahnenschrei antworten. Dann wirst Du zum Doktor Pontus gehen, der am neuen Waal wohnt, und ihm sagen, daß Du mit Gemüsen in die Stadt kommst, aber daß Du die Trockenheit fürchtest. Dieweil die Bauern auf den Markt gehen, um die Gemüse zu teuer anzubieten, als daß man sie kaufe, wird er Dir sagen, was Du mit Deinen Waffen tun sollst. Ich denke wohl, daß er Dich heißen wird, Waal, Maas oder Rhein hinabzufahren, wenn auch nicht ohne Fährlichkeit, und Deine Gemüse für Netze umzutauschen, die Du verkaufst, um mit dem Harlinger Fischerbooten Geschäfte zu machen. Dort sind viele Matrosen, die den Sang der Lerche kennen. Du mußt an der Küste entlang durch die Watten fahren, den Lauwer Zee erreichen, die Netze gegen Eisen und Blei eintauschen und Deinen Bauern die Trachten der Inseln Marken, Vlieland und Ameland geben. Dann mußt Du Dich ein Weniges an den Küsten aufhalten, fischen und Deinen Fisch einsalzen, um ihn aufzuheben, und nicht, um ihn zu verkaufen, denn frischer Trunk und gesalzener Krieg sind eine gerechte Sache.“
„Wohlan denn, laßt uns trinken,“ sprach der Schiffer.
Und sie stiegen auf Deck. Doch Lamm blies Trübsal.
„Herr Schiffer,“ sagte er plötzlich, „Ihr habet in Eurer Schmiede ein so prächtiges Feuerchen, daß man gewißlich das leckerste Fleischgericht darauf kochen könnte. Meine Kehle schmachtet nach Suppe.“