„Hier sind zwanzig Büchsen auszubessern, dreißig Lanzenspitzen zu schleifen und Blei für fünfzehnhundert Kugeln zu schmelzen. Ihr müsset mir dabei helfen.“

„Mit allen Händen,“ sprach Ulenspiegel. „Warum habe ich nicht vier, um Dir zu nützen?“

„Lamm wird uns zu Hülfe kommen,“ sprach Wasteele.

„Ja,“ sagte Lamm kläglich und vor Müdigkeit umfallend, aus Ursach des unmäßigen Trinkens und Essens.

„Du wirst das Blei schmelzen,“ sprach Ulenspiegel.

„Ich werde das Blei schmelzen,“ sprach Lamm.

Dieweil Lamm sein Blei schmolz und seine Kugeln goß, warf er grimme Blicke auf den Schmied Wasteele, der ihn zu wachen zwang, wenn er vor Schläfrigkeit umfiel. Mit stillem Zorn goß er die Kugeln und hatte großes Verlangen, dem Schmied Wasteele das geschmolzene Blei auf den Kopf zu schütten. Doch er hielt an sich. Um Mitternacht, als Wut und übergroße Müdigkeit ihn gleichermaßen überfielen, hielt er ihm mit zischender Stimme diese Rede, dieweil der Schmied Wasteele und Ulenspiegel geduldig Flintenläufe, Büchsen und Lanzenspitzen schliffen.

„Siehe,“ sprach Lamm, „Du magerer, bleicher und kümmerlicher Mensch glaubst an die Aufrichtigkeit von Fürsten und andern Großen der Erde, und voll Übereifer verachtest Du Deinen Leib, Deinen edlen Leib, den Du in Elend und Niedrigkeit umkommen lässest. Nicht darum hat Gott ihn mit Mutter Natur geschaffen. Weißt Du, daß unsere Seele, so des Lebens Odem ist, zum Atmen der Bohnen, des Rindfleisches, Bieres und Weines, des Schinkens, der Würste und der Ruhe bedarf? Du aber lebst von Brot, Wasser und Nachtwachen.“

„Von wannen kommt Dir dieser Redefluß?“ fragte Ulenspiegel.

„Er weiß nicht, was er redet,“ antwortete Wasteele traurig. Aber Lamm erboste sich: