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Indessen eilte der Profoß Spelle, der Rothaarige, mit seinem roten Stock bewaffnet, auf seinem dürren Klepper von Stadt zu Stadt. Allerorten errichtete er Schafotte, entzündete Scheiterhaufen und schaufelte Gruben, um die armen Frauen und Mädchen darin lebendig zu begraben. Und der König erbte.

Ulenspiegel saß mit Lamm in Meulestee unter einem Baum und war voller Mißmut. Ohngeachtet man sich im Juni befand, war es kalt. Vom Himmel, der mit grauen Wetterwolken bedeckt war, fiel ein feiner Hagel.

„Mein Sohn,“ sprach Lamm, „ohne Scham treibst Du Dich seit vier Nächten umher und läufst den Dirnen nach. Du gehst in de Zoeten Inval, in den „süßen Fall“ schlafen, und Du wirst es machen wie der Mann auf dem Schild, der mit dem Kopf zuerst in einen Bienenstock fiel. Vergebens harr’ ich Deiner „Im Schwanen“, und Dein unzüchtig Leben verheißt mir nichts Gutes. Was nimmst Du nicht tugendlicher Weise ein Weib?“

„Lamm“ sagte Ulenspiegel, „der, dem Eine für Alle gilt und dem Alle Eine sind, darf seine Wahl nicht leichtfertig überstürzen.“

„Und Nele, denkst Du ihrer nicht?“

„Nele ist in Damm, gar weit fort,“ sagte Ulenspiegel.

Dieweil er so saß und der Hagel dicht fiel, lief ein artiges Weiblein vorüber, das sich den Kopf mit seinem Rock bedeckte.