„Sintemalen ich auf hundert Arten gesündigt hatte, schwur ich, wie Du weißt, Buße zu tun. Das währte wohl eine gute Stunde. Indem ich während dieser Stunde über mein künftiges Leben nachsann, sättigte ich mich kärglich mit Brot; Wasser war mein schaler Trunk; traurig floh ich die Liebe und getraute mich nicht, mich zu rühren noch zu niesen, aus Furcht Böses zu tun. Von allen war ich geachtet, von jedermann gefürchtet, allein wie ein Aussätziger, traurig wie ein Hund, dem sein Herr gestorben ist, und nach fünfzig Jahren des Martyriums verendete ich trübselig auf einer elenden Pritsche. Die Buße war lang genug. Drum küsse mich, Liebchen, und laß uns zu zweit das Fegefeuer verlassen.“
„Ei,“ sagte sie, gern gehorchend, „welch schönes Aushängeschild ist die Tugend, auf die Spitze einer Stange gehängt.“
Die Zeit verging bei diesen verliebten Ergötzungen; schließlich aber mußten sie aufstehn, um fortzugehn, denn das Mädchen besorgte, mitten in ihrem Vergnügen den Profoß Spelle und seine Häscher auftauchen zu sehen.
„So schürze Deinen Rock,“ sprach Ulenspiegel.
Und sie liefen wie die Hirsche nach Destelbergh; allda fanden sie Lamm im „Stern der drei Weisen“ schmausend.
31
Ulenspiegel sah in Gent oftmals Jakob Scoelap, Lieven Smet und Jan de Wulfschager, die ihm Kunde vom guten und bösen Geschick des Schweigers gaben.
Und allemal, wenn Ulenspiegel nach Destelbergh zurückkehrte, sagte Lamm zu ihm: