„Wie Hagel“, sagte der Wirt, indem er Lamm behend die Börse fortriß und sie Ulenspiegel zurückgab.
„Spitzbube, zahle jetzt einen Trunk für mich, da du wieder im Besitz Deines Vermögens bist.“
„Du sollst trinken, schändlicher Taugenichts,“ entgegnete Ulenspiegel.
„Sehet, wie frech er ist,“ sagte die Stevenyne.
„So sehr wie Du schön bist, Herzchen,“ sagte Ulenspiegel.
Nun war die Stevenyne gut sechzig Jahre alt und hatte ein Gesicht wie eine Mispel, doch ganz gelb von galligem Zorn. In der Mitte saß eine Nase gleich einem Eulenschnabel. Ihre Augen waren voller Habgier und ohne Liebe. Zwei lange Hauer stachen aus ihrem fleischlosen Munde und auf ihrer linken Backe hatte sie einen großen, dunkelroten Fleck.
Die Dirnen lachten, indem sie sich über sie lustig machten, und sagten:
„Schätzchen, Schätzchen, gib ihm zu trinken. / Er wird Dich umarmen. / Ist es lange, daß Du Deine erste Hochzeit hieltest? / Hüte Dich, Ulenspiegel, sie will Dich fressen. / Sieh ihre Augen, sie glänzen nicht von Haß, sondern von Liebe. / Man könnte meinen, daß sie Dich totbeißen will. / Sei ohne Furcht. / So machen’s alle verliebten Frauen. / Sie will nur Dein Bestes. / Sieh, wie sie zum Lachen wohl aufgelegt ist.“
Und wahrlich, die Stevenyne lachte und zwinkerte der Gilline, dem Frauenzimmer im Brokatkleide zu.
Der Wirt trank, zahlte und ging fort. Die sieben Metzger schnitten den Häschern und der Stevenyne Fratzen zum Zeichen des Einverständnisses. Einer unter ihnen deutete durch eine Gebärde an, daß er Ulenspiegel für einen Dummkopf hielte und ihn trefflich vexieren würde. Und dieweil er der Stevenyne, die lachend ihre Hauer fletschte, spöttisch die Zunge heraussteckte, sagte er Ulenspiegel ins Ohr: