Sie aber verhöhnten ihn und schrieen, er solle ihnen ihre Schuhe zurückgeben.
Ulenspiegel warf sie ihnen zu, einen nach dem andren, auf einen Haufen. Darob entstand ein wildes Getümmel, denn keiner von ihnen konnte aus dem Haufen seinen Schuh herausfinden, noch ohne Widerspruch nehmen.
Da stieg Ulenspiegel vom Seil und begoß die Kämpfenden, aber nicht mit klarem Wasser.
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Da der Infant fünfzehn Jahre alt war, streifte er nach seiner Gewohnheit durch die Gänge, Treppenflure und Gemächer des Schlosses. Am häufigsten aber sah man ihn um die Gemächer der Damen umherstreifen, um den Pagen einen Schabernack zu spielen, denn sie lagen gleich ihm auf den Fluren wie Katzen auf der Lauer.
Andere, so im Hofe standen, sangen mit der Nase in der Luft ein zärtliches Lied. Wenn der Infant sie hörte, so trat er an ein Fenster und erschreckte die armen Pagen, welche seine bleiche Larve anstatt der zärtlichen Augen ihrer Schönen erblickten.
Unter den Damen des Hofes war eine holdselige Vlämin aus Dudzeele bei Damm, von hübscher Fülle, eine köstliche reife Frucht und wundersam schön; denn sie hatte grüne Augen und rotes Kraushaar, welches in der Sonne wie Gold gleißte. Von heiterer Laune und feurigem Gemüt, verhehlte sie keinem ihre Neigung für den glücklichen Ritter, dem sie auf ihrem schönen Eigentum das himmlische Privilegium freier Liebe verlieh. Zu der Zeit war es ein hochgemuter, schöner Jüngling, den sie liebte. Alle Tage zur besprochenen Stunde traf sie ihn, welches Philipp zu Ohren kam.
Er setzte sich auf eine Bank, die an einem Fenster stand, und spähte nach ihr aus. Sie ging an ihm vorbei in ihrem Staatskleid von gelbem Brokat, das um sie herrauschte, das Auge voll Leben, den Mund halb geöffnet, munter und frisch dem Bade entstiegen. Da sie den Infanten sah, sagte er zu ihr, ohne sich von seiner Bank zu erheben: