Die Gilline sang zur Laute.

Die Sieben zogen gen Peteghem und führten die Häscher und Dirnen an der Leye entlang. Im Wandern murmelten sie: „Es ist Zeit, mit dem Klinger zu klirren! Es ist Zeit, mit dem Klinger zu klirren!“

Bei Tagesanbruch kamen sie ins Lager, sangen wie die Lerche, und Hahnenschrei antwortete ihnen. Die Mädchen und die Häscher wurden scharf bewacht. Dessen ohngeachtet fand man am dritten Tag um Mittag die Gilline tot, das Herz von einer langen Nadel durchbohrt. Die Stevenyne wurde von den drei Mädchen bezichtigt und vor den Hauptmann der Kampanie, seine Rottenmeister und Sergeanten geführt, die zu Richtern eingesetzt waren. Allda bekannte sie ohne peinliche Frage, sie habe die Gilline getötet, aus Eifersucht auf ihre Schönheit und aus Wut darob, daß die Dirne sie ohne Gnade als Leibeigne behandelte. Und die Stevenyne ward gehenket und dann im Walde begraben. Auch die Gilline ward begraben, und über ihrem reizenden Leib wurden Sterbegebete gesprochen.

Derweil hatten sich die beiden Büttel, von Ulenspiegel beredet, vor den Burgvogt von Kortrijck begeben, denn den Lärmen und Toben und die Plünderung, so im Hause der Stevenyne geschehen, mußten von besagtem Burgvogt bestraft werden, maßen daß Haus der Stevenyne in der Burgvogtei außerhalb der Gerichtsbarkeit von Kortrijck lag. Nachdem sie dem Herrn Burgvogt erzählt, was sich zugetragen, sagten sie mit tiefer Überzeugung und schlichter Einfalt der Sprache:

„Die Mörder der Prediger sind mit nichten Ulenspiegel und sein getreuer und vielgeliebter Lamm Goedzak, die nur zu ihrer Ergötzung in den „Regenbogen“ gekommen sind. Sie haben sogar Pässe vom Herzog, und wir haben sie gesehen. Die wahren Schuldigen sind zwei Kaufleute aus Gent, der eine mager, der andere sehr fett, so nach dem Lande Frankreich auf und davon sind, nachdem sie bei der Stevenyne alles zerschlagen hatten; diese haben sie mitsamt ihren vier Dirnen zu ihrem Zeitvertreib mitgeführt. Wir hätten sie wohl am Kanthaken gefaßt, doch es waren sieben Metzger da, von den stärksten der Stadt, die ihre Partei nahmen. Sie haben uns alle gebunden und nicht eher freigelassen, als bis sie weit im Lande Frankreich waren. Und hier sind die Spuren der Stricke. Die vier andern Büttel sind ihnen auf den Fersen und erwarten Verstärkung, um Hand an sie zu legen.“

Der Burgvogt gab einem Jeden zwei Karolus und ein neues Kleid für ihre getreuen Dienste.

In der Folge schrieb er an den Rat von Flandern, an das Schöffengericht in Kortrijck und andere Gerichtshöfe, um ihnen zu vermelden, daß die wahren Mörder gefunden wären. Und er beschrieb ihnen das Abenteuer des Langen und Breiten. Darob erzitterten die vom Rat von Flandern und von den andern Gerichtshöfen. Und der Burgvogt ward ob seines Scharfsinns trefflich gelobt.

Und Ulenspiegel und Lamm wanderten friedsam auf der Straße von Peteghem nach Gent an der Leye entlang. Es verlangte sie, nach Brügge zu kommen, allwo Lamm sein Weib zu finden hoffte, und nach Damm, wo Ulenspiegel, der in Träume versunken war, schon hätte sein mögen, um Nele zu sehen, die betrübt mit Katheline, der Irren, lebte.


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