„Lassen wir denen, so Gott heimsucht, ihr Wollen. Er gibt derart seinen Willen kund. Solches ist unser Gesetz.“
Ulenspiegel und Lamm gingen fürbaß. Und der Zigeuner kehrte ernst und stolz in sein Lager zurück. Und das Mägdlein tanzte mit ausgelassenem Lachen in der Lichtung.
40
Unterwegs nach Brügge sprach Ulenspiegel zu Lamm:
„Wir haben eine große Summe Geldes ausgegeben, um Soldaten anzuwerben, die Büttel zu bestechen, die Zigeunerin zu beschenken und die unzähligen Ölkuchen zu bezahlen, die es Dir gefiel, unaufhörlich zu essen, anstatt ihrer einen zu verkaufen. Und trotz dem Begehren deines Bauches ist es an der Zeit, vernünftiger zu leben. Gib mir Dein Geld, ich werde die gemeinsame Börse aufheben.“
„Tu das,“ sprach Lamm. „Doch laß mich nicht Hungers sterben,“ sagte er, sie ihm reichend, „denn bedenke, groß und gewaltig wie ich bin, bedarf ich einer kräftigen und reichlichen Nahrung. Für Dich, der Du mager und schmächtig bist, ist es gut, von der Hand in den Mund zu leben, zu essen oder nicht zu essen, was Du findest, wie die Planken am Hafen, so von Luft und Wasser leben. Aber ich, den die Luft aushöhlt und der Regen heißhungrig macht, ich brauche andern Schmaus.“
„Du sollst ihn haben, tugendhaften Fastenschmaus. Die bestgefüllten Wänste widerstehen da nicht; sie schrumpfen nach und nach ein und machen den schwersten Mann leicht. Und bald wird man ihn, weidlich entfettet, wie einen Hirsch laufen sehen, meinen zierlichen Lamm.“
„Ach,“ sprach Lamm, „was wird künftig mein mageres Schicksal sein? Mich hungert, mein Sohn, und ich möchte zur Nacht essen.“